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Musikurheber kritisieren SPIEGEL-Artikel "Melodien für Millionen"
In der aktuellen Ausgabe Nr. 7/2010 berichtet "DER SPIEGEL" unter der Überschrift "Melodien für Millionen" (S.142) über angebliche Intransparenz, Ineffizienz und Ungerechtigkeiten bei der GEMA.
Der Artikel stieß aufgrund seiner Polemik, der einseitigen Darstellung und der teilweise unfundierten Recherche bei Musikurhebern und Verbänden auf heftigen Unmut und auf Unverständnis.
Erste Reaktionen, Gegenreden und Leserbriefe haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt:
Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der GEMA
„Der SPIEGEL skizziert in seinem Artikel "Melodien für Millionen" die GEMA in einer polemischen und für den SPIEGEL unwürdigen Art und Weise. Von der Polemik und der Wortwahl sowie den aufgeführten Beispielen her entspricht das Niveau eher einem "GEMA-Bashing", als einer konstruktiven Kritik. Von "Spionen" in Bezug auf Außendienstarbeiter zu sprechen, ist eine Verleumdung auf BILD-Zeitungsniveau – mehr nicht.
Dass es einen Reformbedarf gibt, die GEMA in einigen Bereichen transparenter und einfacher werden muss, ist bekannt. Die hierfür notwendigen Weichen sind gestellt und die GEMA befindet sich auf einem guten Weg.
Gerne stelle ich mich auch persönlich und öffentlich jeder konstruktiven Kritik und Diskussion. Es kann allerdings nicht angehen, dass im Sog der Petition die Institution GEMA als solche und damit auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der öffentlichen Diskussion derart rüde angegangen werden. Das muss, bei aller sachlichen Kritik, deutlich klar gestellt werden."
Offener Brief von Jörg Evers (Komponist, Präsident Deutscher Komponistenverband e.V.) an den SPIEGEL
"Bisher glaubte ich, DER SPIEGEL würde sich durch sorgfältig und ausgewogen recherchierte Beiträge angenehm aus der Menge oberflächlicher Berichterstatter abheben. Durch den Artikel des SPIEGEL-Autoren Martin U. Müller muss ich diese Annahme leider revidieren.
Munter wird sich darin dem allzu sorg- und gedankenlosen Modesports des „GEMA-Bashings“ verschrieben und damit allerdings auch zweifelhaften Interessengruppen in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung zugearbeitet, die sich nur wenig – und das müsste selbst dem Urheber Martin U. Müller zu denken geben – um das Wohl und die Rechte von Urhebern (siehe Google-Books-Settlement) scheren."
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Leserbrief von Prof. Christian Bruhn (Komponist, München / Cudjoe USA) an den SPIEGEL
„Der sehr einseitig gefärbte GEMA-Hass-Artikel – offensichtlich von einem Redaktions-Neuling verfasst – ist sehr bedauerlich, nicht nur für die GEMA, sondern auch für das SPIEGEL-Niveau.
Der Skribent lässt gänzlich außer Acht,
- dass das GEMA-Regelwerk und die Tarife nicht per Ordre di Mufti gestaltet werden (die GEMA ist keine Behörde), sondern demokratisch vom „Parlament“ der GEMA, nämlich der Mitgliederversammlung, ihrem Souverän, unter strenger Beaufsichtigung drei verschiedener amtlicher Stellen,
- dass, wenn er die Höhe der Verwaltungskosten moniert, diese noch ungeheuer ansteigen würden, wenn man alle 60.000 angeschlossene Mitglieder zur Hauptversammlung einladen würde, wobei das GEMA-Jahreseinkommen bei vielen von ihnen unter 100 EURO liegen dürfte,
- dass von den 3200 Ordentlichen Mitgliedern nur etwa 15% zur Hauptversammlung erscheinen und die vorgesehene Anzahl der Delegierten der Außerordentlichen und Angeschlossenen Mitglieder oft gar nicht erreicht wird,
- dass Frau Connemann mit ihren populistischen Verkündigungen nun wirklich keine Expertin in Sachen GEMA ist, und dass sie zudem mit ihren Angriffen auf die Urheberrechtsgesellschaft ihrer Aufgabe als Kulturbeauftragte nicht im Mindesten gerecht wird.
Grundsätzlich immer wider zu betonen ist, dass der Wirt kein Freibier ausschenkt, das E-Werk den Strom nicht gratis liefert und der Bäcker seine Brötchen nicht verschenkt (auch nicht an Altersheime, Gefängnisse und bei Benefiz-Veranstaltungen), und dass logischerweise die Nutzung von Musik ebenso angemessen entgolten werden muss.
Das einzige wirkliche Versäumnis der GEMA seit 1945 liegt darin, dass es nicht gelungen ist, den Politikern und der Öffentlichkeit den gerechten Anspruch der Urheber und ihrer Verleger auf ein angemessenes Entgelt für die Nutzung ihrer Werke deutlich zu machen. Und daher rühren dann derart unsachliche Artikel.“
Leserbrief von Markus Lehmann-Horn (Komponist, Starnberg) an den SPIEGEL
Ein toller Artikel, Herr Müller, kurz, knackig, hübsche Fotos, durchaus ein Stimmungsbild, doch leider sehr einseitig. Oder, nennen wir es mal nett „populistisch“.
Doch der Reihe nach: da sich die vielgescholtene GEMA offenbar nicht zu wehren vermag, müssen das wohl ihre Mitglieder tun. Ich fange mal damit an. Sie stellen den erfolgreichen Musiker Brunckhorst vor, der gut von der GEMA leben kann. Mit schönen Bildern. Sie vergessen: Herr Brunckhorst kassiert zwar, seine „Hutveranstaltungen“ bringen der GEMA aber nur ein minimales Inkasso, Brunkhorst schöpft somit trickreich die Erlöse anderer ab. Man nennt das ein Geschäftsmodell. Betrug darf man nicht sagen, es ist ja legal möglich.
Dagegen kämpften wir auf der letzten Mitgliederversammlung. Ja, WIR, die GEMA-Mitglieder, Textdichter, Komponisten, Verleger, treffen uns jährlich, um direkte Demokratie zu vollziehen, um Fehler und Schwächen der GEMA-Satzung zu mindern.
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Leserbrief von Peter Seiler (Komponist und Musiker, Mannheim) an den SPIEGEL

- Foto: P. Seiler
Sehr geehrter Herr Martin U. Müller, ausgesprochene Worte sind wie abgeschossene Pfeile. Beide kann man nicht zurückholen. Ähnlich verhält es sich auch mit Ihrem Artikel im SPIEGEL 7/2010.
Sie unterstützen aus Unwissenheit mit Ihrem Artikel diejenigen, die aus egoistischen und wirtschaftlichen Interessen Hasstiraden gegen die GEMA loslassen, genauer gesagt gegen Komponisten, Textdichter und deren Verleger. Vermutlich haben Sie sich auch leider durch diese Gruppierungen instrumentalisieren lassen.
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Leserbrief von Peter Schirmann (Komponist, Berlin) an den SPIEGEL

- Foto: P. Schirmann
,, In der Hoffnung, dass Sie (der Autor des SPIEGEL-Artikels, Anm. d. Red.) noch nicht beratungsresistent sind, möchte ich versuchen Sie über bestimmte Sachverhalte aufzuklären, die Ihnen offenbar nicht geläufig sind.
Alle in Deutschland tätigen Wahrnehmungsgesellschaften, nicht nur die GEMA, bewegen sich im Rahmen des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes (UrhWG) und begleitender Gesetze. Sie sind staatlich gewollt und die von ihnen wahrgenommenen Nutzungsrechte haben Verfassungsrang."
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Leserbrief von Prof. Manfred Schoof (Komponist und Jazzmusiker) an die Kulturredaktion des Spiegel
"Als regelmäßiger Spiegelleser, der die Objektivität des Spiegel schätzt, war ich doch einigermaßen erstaunt über den GEMA-Artikel von Herrn Martin U. Müller. Ich muss leider sagen, so einen unkompetenten Blödsinn habe ich lange nicht gelesen. Wäre das Thema, hochgespielt durch die Petition von Musikveranstaltern - die gerne mit Musik der Autoren gutes Geld verdienen, aber am liebsten nichts dafür bezahlen wollen - nicht so brisant, könnte man herzlich darüber lachen.
Suchen Sie sich bessere Mitarbeiter, die noch richtig recherchieren können."
Leserbrief von Kristian Schultze (Komponist, Arrangeur, Keyboarder) an den SPIEGEL

- Foto: K.Schultze
„Als treuer, jahrzehntelanger Spiegel-Abonnent hätte ich nicht geglaubt, dass durch die Veröffentlichung dieses Artikels die sonst meist beachteten Grundsätze journalistischer Tätigkeit in derart eklatanter Weise verraten würden: Die Polemik von Herrn Müller stützt sich auf eine äußerst einseitige Recherche und hilft den Komponisten, Textdichtern und Verlegern sicher nicht dabei, ihren berechtigten Anspruch auf angemessene Vergütung der Nutzung ihrer Werke durchzusetzen.
Als ebenso langes GEMA-Mitglied möchte ich hier einmal zum Ausdruck bringen, dass Verteilungsplan und Satzung sich in den jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen im demokratischen Prozess immer wieder den sich ändernden Bedingungen angepasst haben, und zwar stets im Geiste einer Solidargemeinschaft. Wir werden nicht aufhören, uns gegen eine "Kultur zum Nulltarif"-Mentalität zu wehren - und gegen solche unqualifizierten Artikel, wie sie nun leider auch den Weg in die seriöse Presse gefunden haben."
Leserbrief von Michael Sell (Komponist, Frankfurt/Main) an den SPIEGEL
„Man ist es ja schon gewohnt: Hübsch gepaart mit Unwissenheit und Halbwissen versucht sich Martin U. Müller an der Gema. Herr Müller zahlt gerne Abgaben, damit das Gemeinwesen seine Aufgaben erfüllen kann. Und das ist auch gut so.
Geht es aber um immaterielle Werte wie z. B. Autorenrechte von lebenden Komponisten, wird gekniffen. Der Nachruhm soll diese post mortem entlohnen, so hätte man es gerne. Dass eine über hundert Jahre alte Verwertungsgesellschaft natürlich ein schwerer Tanker in oft rauer See ist - unbenommen. Hier ist Erneuerung durchaus angesagt.
Vergessen hat Martin U. Müller aber z. B. die vielen kulturellen und sozialen Leistungen der Gema, ohne die die bundesdeutsche Kulturlandschaft dröge daherschlurfen würde.
Zeitgenössische Kunst - Musik, ja experimentelle Klänge - weg damit! Zugemüllt vom Einheitsbrei ad calendas graecas: Hamburgerisierung forever. Die beschwerdeführenden ehrenamtlichen Veranstalter von Konzerten in Altersheimen, bei Feuerwehrfesten z. B., die auch noch Gema zahlen sollen, meinen, dass die von Ihnen aufgeführten lebenden Komponisten genauso umsonst arbeiten sollen, wie Sie es nie tun würden in ihrem Hauptberuf.“
Leserbrief an den SPIEGEL von Prof. Karl Heinz Wahren
"Der Bericht über die „GEMA“ war ein zielsicherer Schuss in den Ofen. Ihr Autor, Martin U. Müller, sammelte offensichtlich emsig Zahlen für Zahlen, ungleich lässiger zeigte er sich hingegen im Erkennen von tatsächlichen Fakten und im Nachdenken darüber. Die seit jeher gegebene Divergenz zwischen dem Musikverbraucher - der nur ungern für die Nutzung von Musik bezahlt - und den Urhebern – die die Nutzung ihres geistigen Eigentums mit Recht honoriert haben möchten – ist der banale Grund für das schlechte öffentliche Image der GEMA. Dazu kommen interne Verteilungsdiskussionen, die oft von Neid und Missgunst gesteuert sind. Hier hätte Ihr Autor ansetzen müssen, statt dessen aber informiert Herr Müller Ihre Leser darüber, dass der Bluessänger B., der den Gema-Verteilungsplan solidarfremd zu seinen Gunsten ausnutzt, einen Kleinbus mit Fünfgang-Getriebe fährt.
Ist das investigativer Journalismus auf „Spiegel“- Art?
Das kafkaesk komplexe Gefüge des musikalischen Urheberrechts und seine praktische Umsetzung durch die GEMA erfordern eine seriöse Berichterstattung, in der auch die meist peinliche Rolle unserer offenbar vorwiegend GEMA-negativ orientierten Politiker sachlich beleuchtet werden sollte!
Prof. Karl Heinz Wahren – Ehrenpräsident des Deutschen Komponistenverbandes
20.02.2010"
Brief von Prof. B.Wefelmeyer (Hochschule für Film- und Fernsehen „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg) an Gitta Connemann, MdB

- Foto: B.Wefelmeyer
Sehr geehrte Frau Connemann,
Sie werden in dem Spiegel-Artikel vom 15.2.2010 zitiert mit einem Resümee, dass Sie - wie andere Abgeordnete auch- „abendfüllend Klagegeschichten über die GEMA“ erzählen könnten.
Dass Sie – als ehemalige Vorsitzende der Bundestagskommission Kultur in Deutschland – in diesem Artikel zitiert werden, gibt diesem die notwendige Seriosität und Beweiskraft.
Im Zuge steigender Unsicherheit im Steuersystem, im Gesundheitssystem, im Schlepptau der Skandale im Finanzsystem kommt es in Mode auch auf eine Einrichtung wie die GEMA einzuschlagen, die ja ebenfalls Gebühren erhebt und z.T. Geld vom Bürger einsammelt, was zu bemängeln und anzuklagen immer Punkte bringt Und wofür soll man bezahlen? Auch noch für Musik, die ja eigentlich kulturelles Allgemeingut ist!
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Leserbrief von Andreas Weidinger (Komponist, München) an den SPIEGEL

- Foto: A.Weidinger
"Sehr geehrter Herr Müller,
Ihren Artikel in der Spiegel-Ausgabe 7/2010 habe ich mit Interesse verfolgt, nicht zuletzt, weil ich mich selbst von Berufs wegen immer wieder mit der GEMA beschäftige.
Um eines gleich vorne weg zu sagen: Auch aus meiner Sicht gibt es innerhalb der GEMA einen spürbaren Reformstau und die GEMA muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie sich in den vergangenen Jahren in Fragen der Transparenz und des Diskurses über Reformbemühungen in der Öffentlichkeit hinreichend verständlich und ausreichend zu Wort gemeldet hat.
Hier endet meine Übereinstimmung mit Ihrem Artikel allerdings auch schon. Denn in wesentlichen Punkten ist Ihr Artikel weder ausreichend recherchiert, noch mit belastbaren Zahlen substantiiert..."
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Leserbrief von Christian Wilckens (Komponist, Hamburg) an den SPIEGEL
"Die Chance auf sachliche und faire Kritik an der GEMA ist hier einmal mehr verpasst worden. So ist unter anderem die Darstellung, dass die stimmberechtigten GEMA-Mitglieder bei der Verteilung privilegiert werden, schlicht und einfach falsch. Ob Amateur oder Profi: Der Verteilungsplan der GEMA gilt für alle ihre Mitglieder gleichermaßen. Es mag ja mittlerweile schick sein, auf die GEMA einzudreschen. Letztendlich schaden undifferenzierte Rundumschläge jedoch nur den Urhebern. Offenbar ist der Autor des Artikels den üblichen Verschwörungstheoretikern gründlich auf den Leim gegangen."









