WANN WAR WAS?

Die Entstehung von AWA und GEMA war eng verknüpft mit den politischen Entwicklungen in der Nachkriegszeit. Im geteilten Deutschland verwalteten beide Anstalten fast 40 Jahre lang die Rechte der Urheberinnen und Urheber, die AWA in der DDR und die GEMA in der Bundesrepublik und in West-Berlin. Der Mauerfall und die Wiedervereinigung machten 1989 eine Neuorganisation nötig. Wir haben die wichtigsten Daten der GEMA und AWA im Rahmen der deutsch-deutschen Geschichte zusammen getragen.


24.08.1947
Der Alliierte Kontrollrat benennt die STAGMA (Staatlich genehmigte Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte) in GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) um. Erich Schulze wird Vorstand und Generaldirektor.

 

23.05.1949
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland tritt in Kraft.

07.10.1949
Die Volkskammer setzt die Verfassung der DDR in Kraft. Die Deutsche Demokratische Republik ist gegründet.

 

05.04.1951
Das Ministerium für Volksbildung der DDR veranlasst per Verordnung die rückwirkende Gründung der Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte auf dem Gebiete der Musik, kurz AWA, zum 01.01.1951. Die Tätigkeit der GEMA in der DDR wird untersagt.

14.08.1953
GEMA und AWA schließen einen Kooperationsvertrag. Rückwirkend zum 01.01.1951 nehmen die beiden Anstalten gegenseitig ihre Rechte auf dem jeweiligen Staatsgebiet wahr. Musikerinnen und Musiker aus der DDR, deren Werke in der Bundesrepublik und in West-Berlin aufgeführt werden, erhalten nun eine Vergütung. Umgekehrt erhalten Urheberinnen und Urheber aus dem Westen eine Vergütung, wenn ihre Werke in der DDR aufgeführt werden.

02.01.1958
In der DDR wird mehr West-Musik gespielt als im Westen Ost-Musik. Die AWA häuft in den Jahren vor 1958 hohe Schulden gegenüber der GEMA an. Die 60/40-Regel soll dem entgegenwirken: Die „Anordnung über die Programmgestaltung bei Unterhaltungs- und Tanzmusik“ setzt den ausländischen Anteil der Musik in der DDR auf höchstens 40 Prozent fest. 60 Prozent der Musik müssen dagegen aus der DDR oder aus Ländern des sozialistischen Blocks kommen.

13.08.1961
Die Arbeiten an der Mauer, die in Zukunft Berlin in Ost und West trennt, beginnen.

11.03.1985
Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU und formuliert seine Politik der Offenheit (Glasnost) und Umgestaltung (Perestroika).

09.11.1989
Am Abend wird die Mauer geöffnet.

 

In München feiert die GEMA die Verabschiedung des langjährigen Vorsitzenden Prof. Dr. Erich Schulze. Dabei sind auch zwei AWA-Vertreter aus Berlin anwesend und erfahren beim Festakt vom Mauerfall.

Ab Januar 1990
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GEMA und AWA nehmen Kontakt zueinander auf und führen erste informelle Gespräche über die Zukunft der beiden Gesellschaften.

August 1990
Das Deutsche Patent- und Markenamt lehnt den Antrag der AWA auf Zulassung als Verwertungsgesellschaft ab. Damit ist klar: Die GEMA vertritt zukünftig die Musikurheber in ganz Deutschland. Bei der GEMA laufen die Vorbereitungen für den Aufbau der Ost-Bezirke auf Hochtouren.

24.‒27.09.1990
Die AWA-Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter erhalten einen Aufhebungsvertrag und ein neues Vertragsangebot der GEMA. Ein Großteil der AWA-Belegschaft nimmt dieses Angebot an und ist ab 03.10.1990 bei der GEMA beschäftigt.

Auch die AWA-Bezugsberechtigten werden in einem gemeinsamen Schreiben über das Vertragsende zum 02.10.1990 informiert und erhalten eine Einladung zum GEMA-Beitritt.

03.10.1990
Die ostdeutschen Länder treten der Bundesrepublik bei. Der Staat DDR existiert nicht mehr.

Mit der Wiedervereinigung geht die AWA in eine Abwicklungsgesellschaft über. Sie zahlt weiterhin Einnahmen an die Berechtigten aus und verwaltet Immobilien, nimmt aber keine Urheberrechte mehr wahr. Das Urheberrecht der Bundesrepublik gilt nun ebenfalls für die fünf neuen Bundesländer. Die GEMA übernimmt auch dort die Verwertung der Musikrechte.

Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR entstehen drei Bezirksdirektionen (BD): Die BD Berlin (West) mit den Außenstellen Berlin (Ost) und Schwerin, die BD Dresden mit den Außenstellen Chemnitz und Leipzig sowie die BD Halle mit den Außenstellen Erfurt und Magdeburg.