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„Bewusste Brüche, Gefühl und Humor“

2018 wird Inga Humpe mit dem Fred Jay Preis für ausgezeichnete Textdichter geehrt. Im Interview verrät sie, was ihr beim Texten von Liedern wichtig ist – und warum auch Pommes Frites gut in ein Liebeslied passen.

Interview: Lars Christiansen

Herzlichen Glückwunsch, Frau Humpe. Sie werden mit dem Fred Jay Preis 2018 ausgezeichnet.
Danke. Für mich ist das ein toller Preis. Es gibt ja auch nicht viele Preise für Songtexte: Ich kenne nur diesen und den Musikautorenpreis. Der Preis ist für mich deshalb so besonders, weil er nicht aufgrund kommerziellen Erfolges, sondern aus inhaltlichen Gründen vergeben wird.

Der Fred Jay Preis wird dieses Jahr zum 30. Mal vergeben. Aus Ihrer Sicht: Was hat sich in dieser Zeit bei deutschen Texten verändert?
Da hat sich eine Menge getan. Inzwischen kann man einen eigenen Sound in den Texten entwickeln. Auch die Hörgewohnheiten haben sich verändert. Früher hieß es: Deutsch ist so schwierig, das kann man nicht singen. Und was damals nur dem Englischen zugesprochen wurde – das Umgangssprachliche, das Lässige – das kann man mittlerweile auch im Deutschen hinkriegen.

Haben Sie vielleicht selbst sogar Vorbilder, was Texte angeht?
Ja, doch! Ich habe mich immer an alten jüdischen Texten und Schlagern orientiert. Die haben so eine tolle Mischung aus Gefühl und Humor. Die war für mich immer wichtig.

Was macht für Sie neben Gefühl und Humor sonst noch einen guten deutschen Text aus?
Bewusste Brüche. Ich bin nicht so ein Freund des Pathos. Wenn man also über Liebe singt, kann man im gleichen Moment, jetzt mal als Beispiel, auch über Pommes Frites singen. Es muss irgendwie ein Gegensatz da sein.

Texten Sie eigentlich gern?
Ja, ich texte gerne. Aber ich quäle mich auch. Ich kaue dann stundenlang auf den Zeilen rum, lege sie tagelang zur Seite. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass es wichtig ist, Abstand zu den Texten herzustellen, weil man dann auch besser Unnötiges weglassen kann.