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Digitalität braucht Kreativität

Wie in jedem Jahr trafen sich auch 2018 die Mitglieder der Akademie Deutscher Musikautoren am Tag nach der Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises zur Sitzung. Diesmal ging es um die Digitalisierung – und wie die GEMA diese für sich nutzen kann.

„Was bedeutet Digitalisierung für Sie?“, fragte Professor Tobias Kollmann die Anwesenden, als er die Bühne in der Deutschen Kinemathek in Berlin betrat.

Ja, was eigentlich?

Die Frage ließ manche im Publikum erst einmal zögern. „Realität“, warf einer in die Runde. „Nicht viel“, sagte ein anderer. Er komponiere – ganz klassisch – mit Bleistift auf Notenpapier.

Wie kompliziert es sein kann, eine simple Frage mit wenigen Worten erschöpfend zu beantworten, merkten die Teilnehmer der jährlichen Sitzung der Akademie Deutscher Musikautoren (ADMA) also schon ganz zu Anfang.

Das Treffen der ADMA, des Zusammenschlusses aller Nominierten und Gewinner des Deutschen Musikautorenpreises, stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des digitalen Umbruchs. In vielen Branchen, auch der Musikbranche, führt die Digitalisierung der Gesellschaft zu großen Veränderungen. Deshalb setzte sich die ADMA in diesem Jahr mit der Frage auseinander, wie auch die GEMA mit dieser Veränderung umgehen kann. Tobias Kollmann lieferte dafür wichtige Impulse.

Kollmann ist Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen und berät als Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ die Bundesregierung in Sachen Digitalisierung und Ökonomie.

Beim ADMA-Treffen sprach er darüber, was die Digitalisierung mit der Wirtschaft macht – und wie man damit umgehen kann. „Die digitale Wirtschaft beginnt im Kopf und nicht im Computer“, betitelte er seinen Vortrag.

Digitalisierung, so begann er, sei in erster Linie Veränderung – und damit eigentlich dem menschlichen Bedürfnis nach Kontinuität zuwider.

Trotzdem dürfe man sich dieser Veränderung nicht entziehen, ermahnte Kollmann die Musikautoren. Es gehe nämlich in der sich digitalisierenden Welt nicht mehr nur darum, guten Content zu haben. Man müsse ihn auch unter die Leute bringen, bevor andere es tun. „Wer als erstes ein Kundenbedürfnis digital erkennt, der kann auch als erstes ein digitales oder reales Angebot machen“, sagte Kollmann. Es gehe deshalb bei der Digitalisierung immer um Kreativität und nicht nur um IT.

Doch genau dabei, konstatierte er, hinke Deutschland hinterher. Die großen Plattformen wie iTunes oder Spotify, auf denen digitale Inhalte zu Geld gemacht werden, seien deshalb von anderen aufgebaut worden.

Bei den Zuhörern stieß der Vortrag auf großes Interesse, aber auch auf Skepsis. ADMA-Mitglied Andreas Weidinger merkte an, dass bei der Digitalisierung oft die Rechte der Urheber zu kurz kämen. „Aber diejenigen, die die Herzen der Menschen berühren, sind wir – und nicht Google oder Facebook.“ Ohne die Urheber gäbe es keinen Content, den man den Menschen anbieten könne.

Kollmann machte den Anwesenden Mut. Gerade im Aufkommen neuer Technologien wie Blockchain sieht er Chancen für Musikschaffende, selbst aktiv zu werden. Die GEMA, betonte er, sei ja schon eine Plattform, analog zumindest: „Der große Vorteil der GEMA ist, dass sie ihre Branche kennt. Sie versteht die entsprechenden Bedürfnisse und Notwendigkeiten der beteiligten Partner. Jetzt muss sie noch das digitale Bedürfnis des Nachfragers und Konsumenten verstehen, um beides eben mit Hilfe von neuen Technologien bestmöglich für alle zu verbinden.“

Im Prinzip, sagte Kollmann, habe die GEMA beste Voraussetzungen für das was kommt. Jetzt müsse sie nur noch definieren, was Digitalisierung für sie bedeutet.