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„Musik ist der Kulturträger schlechthin“

Das Reeperbahn Festival schrieb seine Erfolgsgeschichte auch 2018 fort: 5500 Fachbesucher und 45.000 Konzertgänger kamen vom 19. bis zum 22. September nach Hamburg zu den mehr als 600 Konzerten und 300 Veranstaltungen des Konferenzprogramms. Dieses Umfeld nutzte auch die GEMA, um sich mit Showcases, bei Diskussionen und Workshops sowie bei einer Keynote zu präsentieren. Dieses Interview auf der Bühne des Clubs Schmidtchen am 20. September stand unter dem Motto „Wir müssen darum kämpfen, dass Musik auch in Zukunft ihren Wert behält“. Dabei ging es um Fragen des Urheberrechts, um die Entwicklung des Musikkonsums sowie um den Wert und die kulturelle Bedeutung von Musik.

„Kultur spielt eine herausragende Rolle für Europa“, sagte Harald Heker zur Einleitung. Schließlich sei auf diesem Kontinent über mehrere tausend Jahre eine kulturelle Vielfalt gewachsen, die prägend für die ganze Welt war. „Nun aber sehen wir uns amerikanischen Internetgiganten gegenüber, die diese Kultur kostenlos für sich vereinnahmen, damit Milliarden verdienen, zugleich aber den Kulturschaffenden in Europa den wirtschaftlichen Boden entziehen und sie damit existenziell bedrohen.“ Insofern befinde sich die europäische Gesellschaft an einem Punkt der Zäsur. Nun müsse sich zeigen, „ob ein über Jahrhunderte geschaffener Wertekanon erhalten bleibt oder auf dem Altar des Kommerzes geopfert wird“.

Die Mitglieder der GEMA stünden ganz am Anfang der musikalischen Wertschöpfungskette, strich Heker heraus. „Denn ohne Komponisten und Textdichter gäbe es nun einmal keine Musik.“ Das auf der politischen Bühne zu vermitteln, sei jedoch unendlich viel komplexer als das Versprechen großer Onlineplattformen, all die verfügbare Musik für Jedermann zugänglich zu machen.

Die Digitalisierung bietet für Autoren ganz enorme Vorteile

Allerdings will der Vorstandsvorsitzende die Verwertungsgesellschaft nicht in der Rolle eines Bremsers sehen, sondern vielmehr in der Position eines Mittlers: „Die Digitalisierung bietet für Autoren ganz enorme Vorteile und auch für unsere Mitglieder enorme Chancen“, erklärte Heker. „Was wir aber vermissen, ist ein eindeutiger und klarer Rechtsrahmen wie wir ihn für die Musik im analogen Bereich seit vielen Jahren haben.“

Der Wert der Musik sinke im Zuge dieser Entwicklung „dramatisch“, warnte Heker: „Wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern, verkommt Musik zu einer Commodity, die man jederzeit und überall nutzen kann, ohne dass man dafür einen Wertmaßstab hat.“ Deshalb engagiere sich die GEMA in der Diskussion um die Ausgestaltung des Urheberrechts politisch, rechtlich und gesellschaftlich: „Europa wird im internationalen Kräftemessen nur bestehen, wenn es sich auf seine Stärken besinnt. Und eine davon ist die Kreativität. Die gilt es zu schützen.“

Herausragender Erfolg auf EU-Ebene

Die jüngste Abstimmung im Europaparlament zur Urheberrechtsrichtlinie bezeichnete Heker als einen „herausragenden Erfolg“ und erinnert an die große Allianz von mehr als 70 europäischen Organisationen aus der gesamten Kultur- und Kreativwirtschaft. Dennoch sei die Abstimmung „nur ein Schritt auf dem Weg zu einer europäischen gesetzlichen Regelung“. Am 2. Oktober beginne nun im Gesetzgebungsprozess der sogenannte Trilog, in dem sich Europaparlament, der Europäische Rat und die Kommission zusammensetzen und beraten, wie sie den Willen des Parlaments in europäisches Recht gießen. Angesichts der im Mai 2019 anstehenden Europawahl müssten sich diese drei Parteien nun bis Ende des laufenden Jahres auf einen Kompromiss verständigen, der Anfang 2019 formal weiter verfolgt werden kann. Sonst droht dem Thema eine Verschiebung auf die nächste Legislaturperiode.

Die weitere Entwicklung der Musiknutzung zum Beispiel über sprachgesteuerten Gerätschaften im Haushalt oder vernetzte Autos würde das jedoch nicht aufhalten. Hier lerne die GEMA stets neue Kunden- und Nutzergruppen kennen, sagte Heker: „Darauf freuen wir uns, denn je mehr Musik genutzt wird, umso besser ist das für unsere Mitglieder.“ Deshalb wolle die GEMA auch weiterhin daran mitarbeiten, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Urheber von ihrer Arbeit leben können. Denn für Heker ist klar: „Musik ist der Kulturträger schlechthin, davon sind wir alle felsenfest überzeugt.“ Zwar gebe es viele andere Kunstformen, aber Musik sei nun einmal die einzige, „die Menschen im Herzen emotional berühren und mitnehmen kann“. Insofern werde der Musik auch künftig kulturell eher noch größere Bedeutung zukommen.

Ein Gastbeitrag von Knut Schlinger (MusikWoche)

Das Reeperbahn Festival 2018 im Video gibt es hier.

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