“Mit Musik ist alles besser”

Interview mit Rebecca Gubitzer

In unser Reihe „How To Create Content“ stellen wir die Menschen vor, die hinter den kreativen Inhalten stecken, die uns täglich auf YouTube, in Blogs, auf Instagram und Co. unterhalten und begeistern. Wir gehen auf Spurensuche: Was bedeutet es, kreative Werke zu schaffen, wie viele monetäre, zeitliche und emotionale Ressourcen fließen in die Arbeit ein und welche Kniffs verhelfen zum gewissen Etwas. Kreative Arbeit hat einen Wert – lest selbst.

GEMA: Rebecca, Du bist auf diversen Kanälen wie Instagram, Twitter, Youtube aktiv. Vor Kurzem hast Du XXX moderiert. Wenn Du Dir einen Jobtitel geben müsstest, welcher wäre das?
REBECCA:
Das ist die schwierigste Frage überhaupt, vor allem für jemanden, der sich in allen Bereichen ein bisschen ausprobiert hat. Ich würde sagen, ich mache das, was mir Spaß macht. Wenn mich zum Beispiel meine Oma fragt - und die fragt mich immer wieder, was ich mache - dann sage ich, ich moderiere im Internet.

GEMA: Dich begeistern Tanz, Musik und Schauspielerei schon seit der Kindheit. Wie kam es, dass Dich Dein Weg zu YouTube führte?
REBECCA: Schauspielerei ist und war mein Wunsch. Vielmehr noch, die Konstellation aus Musik, Tanz und Schauspielerei. Schon seit ich fünf Jahre war. Vor zehn Jahren habe ich angefangen, YouTubern zu folgen. Ich habe gemerkt, dass sie mit ihren Kanälen eine Art Sprachrohr für wichtige Themen haben und gleichzeitig einen ‚Safespace‘ für ihre Community kreieren. Das war spannend.

Mit ungefähr 15 Jahren habe ich manchmal einen ganzen Sommer nur gearbeitet - alle möglichen Gastro-Jobs, damit ich mir einen Laptop kaufen und mir selbst ein Schnittprogramm beibringen kann. Mit dem nächsten Jobs habe ich mir dann meine Kamera finanziert und ein Handy. Das hat gedauert, bis ich alles, was man Zuhause braucht, um Videos createn zu können, hatte. Als ich 2015 von zu Hause ausgezogen bin, habe ich damit begonnen, regelmäßig Content zu kreieren.

GEMA: Welche Art von Content ist das?
REBECCA:
Mir wurde immer gesagt, ich müsse mich in eine Sparte einordnen, wie Beauty oder ähnliches. Das hat mich gestört und ich habe einfach weiter mein Ding gemacht.

GEMA: Und wie kam dann ‚funk‘, das Content-Netzwerk von ARD und ZDF ins Spiel?
REBECCA: Als ich gerade bei der Arbeit in der Gastronomie war, hat sich funk bei mir gemeldet. Das war der Moment, als mir klar wurde, dass ich mit meiner kreativen Arbeit wirklich Geld verdienen kann. Ein unglaublicher Moment! Ich habe in der Zeit bei funk viel gelernt, vor allem zur Content Creation und was damit zusammenhängt. Ich kann mir momentan nicht vorstellen nichts im Internet zu machen oder meine Plattform nicht zu bespielen. Das war immer mein Hobby und meine absolute Leidenschaft, und jetzt ist es mein Job - das macht schon Bock.

GEMA: Sind Deiner Erfahrung nach Jobs wie YouTuber, Influencer und Content Creator gesellschaftlich anerkannt?
REBECCA: Alles in allem habe ich habe das Gefühl, dass diese ganze Branche rund um YouTuber und Influencer gesellschaftlich oft nicht so ernst genommen wird. Obwohl diese Jobs mittlerweile einen großen Stellenwert haben. Und das Ding ist, da steckt echt Arbeit dahinter. Ich musste mir Vieles selbst beibringen, habe mir das Equipment wie gesagt selbst erarbeitet. Gerade im Internet, auf den Plattformen entwickeln sich rasant die Formate weiter, es gibt immer wieder neue Trends und die Follower ziehen schnell weiter. Ich muss also immer auf dem Laufenden sein, mich weiterentwickeln und weiterbilden – dieses Dranbleiben gilt für uns alle, die digital kreativ sind.

GEMA: Du nimmst User mit auf Deine Reise, teilst Deinen Alltag und Deine Gedanken und bist für viele junge Menschen ein Vorbild. Welche Werte sind Dir wichtig?
REBECCA:
Für mich waren meine eigenen Werte und die Werte, die meine Mom mir vermittelt hat, schon immer zentral. Ich habe seit ich klein war einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und einfach Menschlichkeit. Deswegen könnte ich auch selbst im Internet nichts teilen, vertreten oder selbst bewerben, was mir nicht am Herzen liegt oder von dem ich nicht überzeugt bin. Das ist ein großes Thema für mich. Ich verstehe einfach nicht, wie Menschen mit einer enormen Reichweite nichts Gutes tun können.

GEMA:Wie wichtig ist Dir Sichtbarkeit - für Deine Person und Deine Arbeit?
REBECCA:
Ich habe mich natürlich damit auseinandergesetzt: Will ich überhaupt sichtbar sein? Mir liegen meine Aktivitäten am Herzen. Es ist mir wichtig, zu meinen Herzensthemen regelmäßig präsent zu sein. Ich hatte jedoch lange Schwierigkeiten damit, für Themen öffentlich zu stehen und meine Meinung zu vertreten. Seitdem ich diese Hürde überwunden habe, merke ich, dass ich von meinen Followern sehr viel zurückbekomme. Sie schätzen es, wenn ich für etwas einstehe, den Mund aufmache und Informationen teile, sei es zu Veganismus oder Honigproduktion. Mein Grundsatz ist, dass Leute etwas mitnehmen von meinem Content.

GEMA: Kannst Du das näher erklären?
REBECCA: Ich möchte Menschen aus ihrem Alltag holen. Ich möchte, dass die Leute, die meinen Content verfolgen, eine gute Zeit haben, ich ihnen etwas mitgeben kann oder dass eine Diskussion, ein Austausch angeregt wird.

GEMA: Welche Personen prägen und inspirieren Dich?
REBECCA
: Inernational, Hayley Williams von Paramore. Im deutschen Raum würde ich sagen, Jennifer Weist, die Sängerin von Jennifer Rostock. Ich war immer ein sehr zurückhaltendes und schüchternes Kind und bin das immer noch ein wenig. Ich bewundere Menschen, die offen sind und einfach sagen, was sie denken.

Hayley Williams ist so eine verdammt coole Person. Sie hatte immer schon einen eigenwilligen Style, völlig abseits der gesellschaftlichen Norm. Das hat mich geprägt und ermutigt, einfach das zu tragen, worauf ich Lust habe und nicht, was jemand von mir erwartet. Sie hat mich dazu inspiriert, mich durchzusetzen. Zudem hat sie eine irre Bühnenpräsenz. Ihre Attitude ist so energiegeladen und selbstverständlich.

GEMA: Was bedeutet Musik für Dich?
REBECCA:
Musik bedeutet für mich alles. Und für mich ist Musik ein Lebensgefühl. Erinnerungen. Alles kommt zusammen. Bei mir muss von früh bis spät Musik laufen. Nicht als Beschallung, sondern immer als perfekte Untermalung für alle Momente, so als wäre ich mein eigener DJ. Den ganzen Tag, immer die richtigen Songs für den richtigen Moment. Damit ist alles besser. Ich kann mich verlieren und inspirieren lassen.

GEMA: Eines Deiner Formate heißt „Wenn Songs Outfits wären“. Welche Rolle spielt Musik in Deinen Inhalten?
REBECCA:
‚Wenn Songs Outfits wären‘ ist mein absolutes Lieblings-Format! Ich dachte mir: ich liebe Musik und ich liebe Klamotten, Outfits und Styling. Warum nicht so einfach aus Songs Outfits basteln? Grundsätzlich spielt Musik eine der Hauptrollen in all meinen Kreationen. Musik ist ein Stimmungsträger. Wenn ich nur ein Video aufnehme, dann ist noch leer. Erst durch Musik ist ein Video vollständig.

GEMA: Wie lange brauchst Du zur Produktion Deiner Inhalte von der Ideenfindung bis zur Veröffentlichung?
REBECCA: Gehen wir mal davon aus, ich habe eine Idee, schreibe ein Script, setze mich vor die Kamera und schneide das dann direkt. Ich würde sagen etwa zwei bis drei Tage. Manchmal dauert das aber auch eine Woche. Pauschal ist das schwer zu beantworten. Das Schwierigste ist oft die Umsetzung. Wenn es dann einmal ready ist, dann läuft es. Dann versinke ich darin.

GEMA: Du fühlst Dich im Internet wohl und kannst Dir vorstellen hauptberuflich in dem Bereich tätig zu sein. Wie schätzt Du die Chancen ein, davon leben zu können?
REBECCA:
Das Einzige, was mich wahrscheinlich daran hindern könnte wäre, wenn es das Internet nicht mehr gäbe. Das wäre natürlich blöd ;-)

GEMA: Last but not least drei kleine Fragen. Intuitiv, ohne lange zu überlegen. Und los geht’s:

Inspiration finde ich…
REBECCA:
In der Musik, in der Natur und in meinen Freunden und der Familie.

GEMA: Kreativität ist für mich...
REBECCA:
…seinen eigenen Geist ausleben zu können und entdecken zu dürfen.

GEMA: Als Content Creator ist mir wichtig, dass...
REBECCA:
…ich nie das verliere, was mir wichtig ist und mich nie verbiegen lasse.