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Was wäre wenn YouTube morgen seine Plattform abschalten würde?

YouTube droht derzeit, dass nach der Reform des Urheberrechts bestimmte Kanäle oder sogar die Plattform selbst abgeschaltet würde. Das stimmt nicht. Dennoch haben sich die beiden Musikautorinnen Maria Bothmer und Astrid North mit dem „was wäre wenn“ beschäftigt.

Marie Bothmer: „Früher hat man vor dem Fernseher gesessen und gewartet bis auf VIVA oder MTV das neue Musikvideo seines Lieblingskünstlers kam. Manche haben das dann mit ihrem Sony Ericsson abgefilmt, um es immer und immer wieder sehen zu können. Heutzutage kann man das einfach ganz bequem auf YouTube anschauen, so oft und wann man möchte und sogar meist in bester Qualität. Es ist für viele quasi das Fernsehen von heute. Durch YouTube habe ich, als Musikerin, im Prinzip meine eigene Fernsehshow, meinen eigenen kleinen Kanal, über den ich komplett selbst bestimmen kann. Gäbe es diese Plattform nicht mehr, würde es mir sehr viel schwerer fallen, meine audio-visuellen Inhalte vergleichsweise einfach an die Leute zu bringen.“

Astrid North: „Sehr gut kann ich mich an die Zeit erinnern, wo ‚ein Musikvideo machen,‘ nicht gleich hieß, dass Menschen es auch sehen würden. Zumal das Budget dafür unvorstellbar hoch war im Vergleich zu heute und der Regisseur am besten sehr bekannt sein sollte, damit die Chancen der Ausstrahlung höher waren. Die Musiksender MTV und VIVA bekamen dann das Video und entschieden darüber, ob, wann und wie oft es gespielt werden würde. Was haben wir diskutiert und geplant, gefiebert und gehofft, gejubelt und geweint. Mal hatten wir Glück, mal hatten wir keins. Ich habe selten selber Musiksender geschaut, aber es war ein wichtiges Medium. Eines wusste ich jedoch: Bei jeder öffentlichen Ausstrahlung unserer Musik werden wir für unsere kreativen Leistungen vergütet. Heute sind die Veränderungen in diesem Bereich sehr groß und vielfältig. In Bezug auf meine Musik, als Urheberin und die Möglichkeiten, die sie bietet, wäre es ein Verlust, wenn diese Plattform morgen abgeschaltet werden würde. Genauso für mich als Konsumentin. Oh je, welch eine Fundgrube wäre versiegt … Die Kosten für diese Fundgrube tragen die Kreativen mit ihren Inhalten und die Wertschöpfung daraus bleibt größtenteils beim Betreiber. Die kommende Entwicklung in Richtung faire Vergütung der Kreativen kann diese Plattform noch wichtiger und besonderer machen. Glücklicherweise habe ich meine Musikkarriere nicht mit YouTube aufgebaut und fühle mich nicht von dieser Plattform abhängig. Wenn YouTube morgen plötzlich abgeschaltet werden würde, fände ich das als Musikerin und vor allem als Konsumentin sehr schade. Ich würde gespannt bleiben auf weitere Entwicklungen und Möglichkeiten und glücklich sein, dass ich Musik mache.“

Astrid North, 1973 in Berlin geboren, wuchs in ihrer Geburtsstadt und in Houston, USA, auf, was ihre künstlerische Entwicklung beeinflusste. Bereits in der Schule hatte sie ihre erste eigene Band. 1992 gründete North zusammen mit Bela Brauckmann und Peter Hinderthür die Band Cultured Pearls, mit der sie fünf Alben veröffentlichte. Nach einigen Projekten und Kollaborationen mit verschiedenen Musikern brachte North 2012 ihr erstes Solo-Album „North“ heraus, im September 2016 erschien ihr zweites, „Precious Ruby".

Marie Bothmer, 1995 in Prien am Chiemsee geboren, schrieb bereits in ihrer Jugend eigene Songs. Ihren ersten Erfolg feierte die Wahl-Münchnerin 2016 mit ihrer ersten Single „Es braucht Zeit“, die auf dem Soundtrack des Til-Schweiger-Films über Cro, „Unsere Zeit ist jetzt“, erschien. Bothmer trat bereits als Support für Andreas Bourani und Chris Brenner auf. Seit Juni 2017 erzählt sie auf ihrem eigenen YouTube-Channel von den Erlebnissen ihrer „musikalischen Reise“. Ihr Debütalbum „Marie Bothmer“ erscheint Ende 2018.