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„Wir hoffen auf eine Reformierung des Urheberrechts zu Gunsten der Kreativen“

Wenn die Temperaturen die 20 Marke geknackt haben, heißt es für viele Musikliebhaber wieder: Festivalsommer! Im Interview spricht Rainer Gärtner, Sänger und Textdichter der vierköpfigen Indie-Folk-Band Impala Ray über den Reiz von Festivals, das Besondere an Live-Musik und seine Hoffnungen an Brüssel.

Ihr seid eine Band, die unglaublich viel live spielt. Was bedeutet Euch die Bühne?

Auf der Bühne zu stehen ist für einen Künstler das Schönste. Wir haben ganz klein angefangen – mit Musik auf der Straße. Das war quasi unser Proberaum, da wir uns damals in München noch keinen leisten konnten. Der Vorteil für uns: bei den Proben war das Publikum direkt dabei. So sind wir mit unserer Musik und dem Publikum gleichsam gewachsen. Im Studio bin ich dann tatsächlich doch aufgeregter als auf der Bühne, weil eine Aufnahme zu 180 Prozent stimmen muss. Live kann man als Künstler immer direkt mit den Menschen „arbeiten“: sie ansprechen und animieren, von der Bühne ins Publikum gehen, Späße machen. Darum geht es bei Live-Musik: Die eigenen Gefühle zu transportieren und auf die Hörer überschwappen lassen. 

Ist die Bühne auch ein Sprungbrett für die Karriere?

Wir haben letztes Jahr auf dem GEMA Showcase beim Reeperbahn Festival gespielt. Bei so einem Festival aufzutreten ist natürlich das Größte! Die gesamte Musikbranche kommt da in Hamburg zusammen. Sicherlich gehört auch ein bisschen Glück dazu, dass Booker, Labels oder Verlage genau auf unserem Konzert sind, uns gut finden und mit uns arbeiten wollen. Daher: Ja. Zur richtigen Zeit auf der Bühne zu stehen war unser Sprungbrett.

Worin liegt für Euch der Reiz von Musikfestivals?

Musikfestivals bieten uns eine besondere Form Musik live zu spielen. Wir bezeichnen unsere Musik gern als „Natur-Mucke“ – und die funktioniert im Freien einfach am besten. Der blaue Himmel, bestenfalls Sonnenschein, der Blick von der Bühne in die Weite – da verbindet sich die Musik direkt mit der Umgebung, in der wir spielen. Auf dem „Mittsommerfestival“ in der Schweiz haben wir zum Beispiel direkt vor einem Wasserfall gespielt. Das war unglaublich.

Konzerte und Festivals sind für Musikautoren sichere Ertragsquellen. Im Internet sieht das anders aus. Da wird Musik gern zum Nulltarif konsumiert. Wie seht ihr diese Entwicklung?

Social Media-Plattformen können für Künstler eine große Chance sein. Wir verstehen Facebook, YouTube und Co. eher als Marketingtool, mit dem wir unsere Songs auf einfache Weise der ganzen Welt zur Verfügung stellen können. Vor zehn Jahren hat man derartige Möglichkeiten nicht gehabt. Da musste man durch unzählige Clubs tingeln, um Bekanntheit zu erlangen, heute geht das faktisch per Klick. Das ist einerseits die Chance. Andererseits erhalten wir Komponisten und Songwriter für unsere Songs, die im Internet verbreitet werden, kaum eine Vergütung. In den Songs steckt so viel Arbeit, die der Konsument nicht unbedingt sieht. Daher schauen wir gespannt nach Brüssel! Wir hoffen auf eine Reformierung des Urheberrechts zu Gunsten der Kreativen.

Interview: Christin Wenke-Ahlendorf