Persönliche Botschaft von Tobias Holzmüller zur Neuausrichtung der Kulturförderung

Ein Mann in Anzug und Brille lächelt vor neutralem Hintergrund.
Foto: Sebastian Linder

Liebe Mitglieder,

die GEMA steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung ihrer Kulturförderung: Das bisherige System hat viel Gutes bewirkt, passt aber nicht mehr zu den Realitäten einer stark gewachsenen Mitgliedschaft und verschwimmenden Genregrenzen. Im E-Bereich profitieren immer weniger Mitglieder von steigenden Fördersummen, während insbesondere junge Urheberinnen und Urheber aus dem U-Bereich oft keinen Zugang zu Fördermitteln haben. Dieses Ungleichgewicht führt zu einer Schieflage, gefährdet aus Sicht von Aufsichtsrat und Vorstand Akzeptanz und langfristige Stabilität der Kulturförderung. 

Der vorliegende Regelungsvorschlag von Aufsichtsrat und Vorstand setzt deshalb auf eine Neujustierung, ohne die Gesamtsumme der Kulturfördermittel zu kürzen. Ziel ist es, die Förderung breiter aufzustellen, mehr Genres und Mitglieder zu erreichen und die Fördermittel dort einzusetzen, wo sie tatsächlich einen Unterschied machen: bei konkreten Projekten, Innovationen und der Unterstützung junger Karrieren. Statt Lebensentwürfe dauerhaft zu finanzieren, soll die Kulturförderung gezielt musikalische Innovation und die nächste Generation von Komponistinnen und Songwritern stärken. Damit wird die GEMA ihren Anspruch einlösen, nicht nur Einnahmen zu verteilen, sondern aktiv zur kulturellen Vielfalt beizutragen.

Der Vorschlag ist das Ergebnis eines langen, intensiven Diskussionsprozesses mit hoher Mitgliederbeteiligung. Es haben sich so viele Mitglieder eingebracht, wie noch nie bei der GEMA. Sehr viele Ideen, die aus der Mitgliedschaft, den Gremien, der Verwaltung und – ausdrücklich – auch aus dem E-Bereich stammen, sind in den Antrag eingeflossen. Ziel ist es, ein modernes, zukunftsfähiges Fördersystem zu schaffen, das das musikalische Schaffen all unserer Mitglieder bestmöglich unterstützt. Mit unserem Antrag 15 liegt nun ein ausgewogener Kompromiss vor, der den klassischen E-Bereich weiterhin verlässlich berücksichtigt und gleichzeitig Schritt für Schritt neue Förderdimensionen eröffnet. 

Neben dem Antrag von Aufsichtsrat und Vorstand gibt es auch weitere Anträge aus der Mitgliedschaft. Wir glauben: Unser Antrag bildet die ausgewogene Mitte, der am Ende eines intensiven Prozesses alle Mitglieder im Blick behält. Wir wollen eine Förderung auf den Weg bringen, die die GEMA über ihre Rolle als reine Verwertungsgesellschaft hinaus stärkt – als Partnerin ihrer Mitglieder, die mit gezielter Förderung echte Wirkung entfaltet. 

Ich rufe alle stimmberechtigten Mitglieder auf, sich umfassend zu informieren, sich eine eigene Meinung zu bilden und von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Jede Stimme ist wichtig, um eine demokratisch möglichst breit legitimierte Entscheidung zu erzielen, die nicht nur den Willen weniger reflektiert, sondern die Perspektiven unserer vielfältigen Mitgliedschaft abbildet. Demokratische Teilhabe entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn sie auch tatsächlich wahrgenommen wird. In den vergangenen Tagen und Wochen haben wir mit vielen von Ihnen gesprochen, vor Ort, am Telefon oder digital, um Sie auf die Mitgliederversammlung und die wichtigen anstehenden Entscheidungen aufmerksam zu machen. 

Bitte beteiligen Sie sich! Es geht um nichts weniger als die Zukunft der GEMA als Kulturorganisation und Wahrerin kultureller Vielfalt. Ich freue mich auf unser Treffen und unseren Austausch nächste Woche in Berlin. 

Ihr Tobias Holzmüller
Vorstandsvorsitzender der GEMA