Studie | September 2022

Musikstreaming in Deutschland

Erlössituation im deutschen Musikstreaming-Markt

Musikstreaming boomt und dominiert den Musikmarkt. 45 Prozent der Deutschen nutzen mittlerweile Musikstreaming – unter 14- bis 29-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 84 Prozent. Doch wer verdient am Streaming und wie viel kommt am Ende bei den Musikschaffenden an? Diese und weitere Fragen untersucht nun erstmals eine von der GEMA beauftragte Studie der Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia für den deutschen Musikstreaming-Markt.

17. Januar 2024

Statement zum Streaming-Bericht des EU-Parlaments

„Die Streaming Economy muss sich verändern. Das ist das Signal, das vom Europäischen Parlament ausgeht. Wir müssen zu einer fairen Balance kommen, die insbesondere die Situation der Urheberinnen und Urheber im Musikstreaming-Markt deutlich verbessert.“

Dr. Tobias Holzmüller, GEMA CEO

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Keine angemessene Vergütung beim Musikstreaming

Aus Sicht der GEMA belegt die Studie damit ein gravierendes Ungleichgewicht bei der Einnahmenverteilung: „Vor allem die Musikurheberinnen und -urheber stehen am Anfang der Wertschöpfungskette, aber am Ende der Einnahmenverteilung. Dies entspricht nicht den Prinzipien einer sozialen Marktwirtschaft, die Leistung belohnt und immer einen fairen Ausgleich zwischen allen Marktteilnehmenden anstrebt“, erklärt GEMA Vorstandsvorsitzender Harald Heker. Auch die im Rahmen der Studie befragten GEMA Mitglieder sehen ein Ungleichgewicht bei der Erlösverteilung. 89 Prozent gaben an, dass sie die Vergütung der Musikschaffenden aus dem Musikstreaming als nicht angemessen sehen.

Quelle: Goldmedia-Befragung im Auftrag der GEMA 2022, n=4.278; Basis: GEMA Mitglieder

Streaming-Wachstum auf dem Rücken der Musikschaffenden

Im Rahmen der Studie berechnete die Forschungsgruppe von Goldmedia die Nettoumsatzverteilung bei einem Standard-Einzelabonnement. Diese Abonnements werden üblicherweise zu einem Preis von 9,99 Euro pro Monat angeboten. Etwa zwei Drittel der Nutzenden streamen über kostenpflichtige Abos. Das Ergebnis: Rund 30 Prozent der Nettoumsätze bei einem Standard-Einzelabonnement verbleiben bei den Streaming-Diensten. Rund 55 Prozent werden an die Leistungsschutzrechtsseite (Musiklabels und Musiker/-innen) ausgeschüttet, 15 Prozent der Nettoumsätze erhält die Urheberrechtsseite (Komponist/-innen, Textdichter/-innen, Musikverlage).

Besonders auffallend: Mit zusammen 22,4 Prozent Anteil an den Nettoumsätzen erhalten die Musikschaffenden (Urheber/-innen und Musiker/-innen) deutlich weniger als die Streaming-Dienste oder Labels.

Quelle: Goldmedia-Analyse; Basis: monatliche Gebühren für ein Standard-Streaming-Abonnement nach MwSt.; Rundungsdifferenzen möglich

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Key Facts

Die wichtigsten Studienergebnisse in zehn Punkten zusammengefasst. Klicken oder swipen Sie durch die Einträge, um alle Key Facts zu lesen.
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1. Tendenz im Musikmarkt
Der deutsche Musikmarkt wird seit 2012 immer stärker durch Streaming geprägt. Musik ist heute leichter verfügbar, individueller nutzbar und außerdem günstiger als je zuvor.
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2. Streaming als Chance
Ein großer Teil der befragten Musikschaffenden sieht Streaming grundsätzlich als Chance, ein größeres Publikum zu erreichen.
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3. Anbieter und Umsatz
Spotify ist der meistgenutzte Musikstreaming Dienst in Deutschland, es folgen Amazon Music und Apple Music. Der durschnittliche Umsatz pro Kunde (ARPU) ist tendenziell rückläufig und lag 2021 bei Spotify bei 4,29 EUR.
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4. Nutzung
Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung (45 Prozent, Stand 2021) nutzt Musikstreaming. Davon streamen rund zwei Drittel über kostenpflichtige Abos, ein Drittel nutzt kostenfreie, werbefinanzierte Angebote.
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5. Milliardenmarkt
2022 werden in Deutschland voraussichtlich mehr als zwei Milliarden Euro von den beteiligten Marktteilnehmern erwirtschaftet. Die Bedeutung von Streaming wird in Deutschland weiter zunehmen. Gegenüber führenden Nationen wie Schweden ist die Entwicklung noch verzögert.
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6. Vergütungssituation 
Trotz steigender Nutzung partizipieren viele Musikschaffende bisher kaum am Erfolg des Musikstreamings. 89 Prozent der Befragten beurteilen die Vergütung insgesamt als nicht angemessen.
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7. Aufteilung der Erlöse
Von den Nettoumsätzen im Musikstreaming bei einem Standard Einzelabonnement verbleiben aktuell rund 30 Prozent bei den Streaming-Diensten, 55 Prozent werden an die Labels, Künstlerinnen und Künstler ausgezahlt, 15 Prozent an die Komponistinnen, Textdichter und Verlage.
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8. Wenig Geld für Kreative
Die Musikschaffenden (Urheberinnen und Musiker) erhalten zusammen betrachtet rund 22 Prozent der Nettoeinnahmen - deutlich weniger als die Streaming-Dienste (30 Prozent) und die Labels (42 Prozent).
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9. Playlists und Empfehlungen
Playlists sowie Musikempfehlungen auf Algorithmen-Basis haben einen erheblichen Einfluss auf die Reichweite und den kommerziellen Erfolg im Streaming-Markt. Die zugrundeliegenden Kriterien werden von den Musikschaffenden jedoch als intransparent wahrgenommen.
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10. Newcomer und Nischen
Die aktuellen Mechanismen der Streaming-Ökonomie festigen tendenziell die Position von älteren, kommerziell erfolgreichen Katalogtiteln. Für Newcomer und musikalische Nischen verbleiben entsprechend geringere Erlösanteile.

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