„Die Zukunft der GEMA entscheidet sich in den Veränderungen von heute“

Ein Mann im blauen Anzug mit roter Krawatte lächelt vor neutralem Hintergrund.
c. Sebastian Linder

Interview mit Georg Oeller, Mitglied des Vorstands der GEMA, zur Neuausrichtung der GEMA Kulturförderung

 Im Mai 2026 wird die Mitgliederversammlung der GEMA über die Neuausrichtung der GEMA Kulturförderung entscheiden. Bereits auf der Mitgliederversammlung 2025 fand ein entsprechender Antrag breite Zustimmung, erreichte jedoch knapp nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. 

Seitdem hat die GEMA gemeinsam mit ihren Mitgliedern intensiv an der Weiterentwicklung des Antrags gearbeitet. Im Interview spricht Georg Oeller, Mitglied des Vorstands der GEMA, über diesen gemeinsamen Weg, die inhaltlichen Schwerpunkte der Neuausrichtung und darüber, was dieser Prozess auch innerhalb der GEMA verändert hat.  

Herr Oeller, nach der Mitgliederversammlung 2025 wurde der Antrag zur GEMA Kulturförderung weiterentwickelt, der 2026 zur Abstimmung stehen wird. Wie ist dieser Antrag entstanden, und welche zentralen Überlegungen haben den Prozess geprägt? 

Unmittelbar nach der Mitgliederversammlung 2025 haben sich Aufsichtsrat und Vorstand sehr intensiv mit dem damaligen Antrag befasst – noch am selben Tag, am Nachmittag der Hauptversammlung. Zwar hatte eine Mehrheit der Mitglieder dem Antrag zugestimmt. Zugleich wurde deutlich, dass es an einzelnen Stellen weiterer Konkretisierungen und Nachschärfungen bedurfte, um die Zweidrittelmehrheit der Mitglieder zu gewinnen. Diesen Prozess haben wir in den vergangenen Monaten im engen Austausch mit unseren Mitgliedern gestaltet, kamen im Rahmen von Mitgliederforen zusammen und arbeiteten gemeinsam an der Ausgestaltung des Antrags. Parallel dazu fanden zahlreiche Gespräche mit relevanten Akteuren aus der Musikbranche sowie mit Mitgliedern statt. Auf den Kommunikationskanälen der GEMA haben wir fortlaufend über den Stand des Prozesses informiert. 

Für mich persönlich war dieser Prozess gleichermaßen anspruchsvoll wie bereichernd. Er wurde geprägt von intensiven Diskussionen, kritischen Nachfragen und einer hohen Bereitschaft zur inhaltlichen Auseinandersetzung. Dieser Weg war der richtige. Die Offenheit des Dialogs und die Qualität der Rückmeldungen haben eindrücklich gezeigt, welches Potenzial in einer solchen Form der gemeinsamen Arbeit liegt. Für mich ist das ein wichtiger Hinweis darauf, wie wir gemeinsam mit dem Aufsichtsrat auch künftig mit komplexen Veränderungsprozessen umgehen sollten. 

Was zeichnet den Antrag zur Kulturförderung inhaltlich aus? Wo setzt er die zentralen Akzente der Neuausrichtung?

Der neue Antrag steht für die konsequente Weiterentwicklung der GEMA Kulturförderung als Ganzes. Dabei haben wir bewusst an dem bestehenden Konzept angesetzt und es nicht neu erfunden.  

Er zielt darauf ab, die Kulturförderung verlässlich auszugestalten, diese breiter für mehr Mitglieder zugänglich zu machen und zugleich künstlerische Vielfalt, Innovation und Nachwuchs sowie Werke in deutscher Sprache gezielt zu stärken. Besondere Repertoires und Projekte sollen dabei auch unter veränderten Marktbedingungen angemessen berücksichtigt werden. 

Der neue Antrag ist das Ergebnis eines intensiven Austauschs mit den Mitgliedern, den es bei der GEMA in dieser partizipativen Form bislang nicht gegeben hat.

Wer soll künftig gefördert, welche Förderschwerpunkte sollen gesetzt werden?

In der Fokusförderung sind drei Schwerpunkte verankert, mit denen wir gezielt fördern. Wie bisher wird der Bereich Contemporary Classic gefördert, mit garantierten Mitteln und starker Nachwuchsförderung. Der Förderfokus Repertoire steht allen Mitgliedern offen – unabhängig davon, ob man als Autorin bzw. Autor oder Verlegerin bzw. Verleger tätig ist, ob ordentliches oder außerordentliches Mitglied und unabhängig vom musikalischen Schwerpunkt. Und in der Impulsförderung steht Unterstützung bereit für innovative Formate und kreative Entwicklungen. Im Rahmen dieser drei Schwerpunkte haben wir die Fragen unserer Mitglieder abgebildet und fördern transparent und verlässlich.

Die Neuausrichtung der Kulturförderung steht im Kontext tiefgreifender Veränderungen in der Musikbranche. Warum ist es aus Ihrer Sicht gerade jetzt notwendig, diesen Schritt zu gehen?

Der Musikmarkt befindet sich seit einigen Jahren in einem tiefgreifenden Wandel, und dieser Wandel beschleunigt sich weiter. Streaming, neue Technologien wie KI, Internationalisierung – all das verändert das künstlerische Schaffen und wie man als Musikschaffender davon leben kann. Kulturelle Förderung ist deshalb kein Selbstzweck. Sie ist ein zentrales Instrument, um künstlerische Entwicklung zu ermöglichen, Vielfalt zu sichern und Repertoire langfristig zu stärken – gerade dort, wo Marktmechanismen allein nicht ausreichen.

Was bedeutet der neue Antrag konkret für die Mitglieder – und weshalb ist es aus Ihrer Sicht gerade jetzt so entscheidend, diesen Weg gemeinsam zu gehen?

Der neue Antrag ist als bewusster Interessenausgleich angelegt. Die GEMA ist eine vielfältige Solidargemeinschaft mit sehr unterschiedlichen künstlerischen und wirtschaftlichen Ausgangslagen. Diese Vielfalt ernst zu nehmen bedeutet für uns ganz konkret, die Kulturförderung so zu gestalten, dass unterschiedliche Realitäten berücksichtigt werden und sich möglichst viele Mitglieder in ihr wiederfinden können. 

Ein solcher Ausgleich setzt voraus, dass nicht jedes Einzelinteresse maximal bedient werden kann. Für viele Mitglieder bedeutet der Antrag Stabilität und Verlässlichkeit, für andere eröffnet er neue Perspektiven. Entscheidend ist, dass beides miteinander verbunden wird: die Fortführung bewährter Strukturen und die Öffnung für neue Entwicklungen. 

Dabei spielt auch die Umsetzung eine zentrale Rolle. Der Antrag sieht keinen abrupten Bruch vor, sondern einen begleiteten Übergang innerhalb der Kulturförderung. Anpassungen erfolgen schrittweise und transparent, sodass nachvollziehbar bleibt, was sich verändert und warum. 

Die GEMA begeht in wenigen Jahren ihr 125. Jubiläum. Ihre Zukunft entscheidet sich in den Veränderungen von heute. Wenn wir wollen, dass sie langfristig Bestand hat, müssen wir heute die richtigen Weichen stellen. Das Repertoire der Mitglieder zu stärken, weiterzuentwickeln und unter veränderten Marktbedingungen sichtbar zu halten, ist dabei eine zentrale Aufgabe der Kulturförderung. 

Vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht gerade jetzt entscheidend, diesen Weg gemeinsam zu gehen.