, Musikwelt

„Mit den richtigen Leuten kann man Berge versetzen.“

Nachhaltigkeit im Music-Business betrifft nicht nur Konzertveranstaltungen. Sie fängt schon viel früher an – bei der Produktion von Werken. Die Band Milky Chance aus Kassel beispielsweise verspricht, nicht nur auf Tourneen, sondern auch bei den Musikaufnahmen im Tonstudio künftig verstärkt auf Klimaschutz zu achten – und hat für ihr bisheriges Engagement sogar den Nachhaltigkeitspreis 2020 erhalten. Aber wohin können sich Musikschaffende wenden, die ihre Musik klimaschonend produzieren wollen? Zum Beispiel an das „Studiowerk“ in Braunschweig.


Nach der Geburt seines Sohnes und einem handfesten Burnout dachte Studiowerk-Geschäftsführer und Greenpeace-Aktivist Ole Sander verstärkt über die Verantwortung seines Handelns nach – im privaten Bereich und wenn es um das Aufnehmen guter Musik in seinem Studio geht. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Herr Sander, worauf achten Sie bei Studiowerk besonders, um klimafreundlich zu agieren?

Ole Sander: Wir haben mit dem einfachsten begonnen: der Vermeidung unserer CO2-Emissionen. Was man nicht verbraucht, muss man später auch nicht mühsam kompensieren. Deshalb haben wir gnadenlos überall den Öko-Rotstift angesetzt.

Und wo genau macht sich das in Ihrer Arbeit als Musikproduzent bemerkbar?

Ole Sander: Die Hauptquellen von Treibhausgasen in einem Tonstudio sind Energieverbrauch, Mobilität und Verbrauchsmaterialien. Deshalb haben wir sofort Mülltrennung und Recycling eingeführt, Energiesparlampen und LEDs eingesetzt und den geplanten Geschäftswagen gecancelt. Der Standby-Betrieb bei Geräten wurde lahmgelegt, Computer werden nach Feierabend heruntergefahren. Wir sparen Verbrauchsmaterial wie Rohlinge, USB-Sticks, Papier und Druckerpatronen ein, wo es geht, bestellen das Nötigste bei einem nachhaltigen Büroartikelversand und arbeiten ansonsten möglichst digital. Auch unnötigen Konsum haben wir abgeschafft und entscheiden uns häufiger für gebrauchte Möbel und Geräte. Für Team und Gäste gibt es nur noch Mehrwegflaschen und Bio-Catering. Und natürlich haben wir uns einen wirklich nachhaltigen Ökostromanbieter gesucht und eine grüne Bank.

Worin lag bei der Umstellung die größte Herausforderung?

Ole Sander: Herauszufinden, wie wir unseren übrigen CO2-Fußabdruck berechnen und sinnvoll kompensieren können. Immerhin verbrauchen wir trotz der vielen Einsparungen noch unglaubliche 5,4 Tonnen CO2 im Jahr. Da stieß ich auf „natureOffice“, ein Unternehmen, das in Afrika ein ca. 20.000 Hektar großes Klimaschutzprojekt bewirtschaftet und zusammen mit den dort lebenden Menschen nicht nur Bäume zum Ausgleich von CO2-Emissionen pflanzt, sondern vor Ort auch Arbeitsplätze, erneuerbare Energie, sauberes Trinkwasser, nachhaltige Nahrungsmittel, Bildungsmöglichkeiten und ein soziales Umfeld schafft. Genau der richtige Kompensationspartner für uns! Zusammen mit natureOffice haben wir unsere Emissionen genau berechnet, einen Masterplan für ein zu 100 Prozent klimaneutrales Tonstudio entwickelt, in drei Monaten umgesetzt und auch zertifizieren lassen. Das hat mir gezeigt: Mit den richtigen Leuten kann man Berge versetzen.

Wie reagieren die Künstlerinnen und Künstler auf Ihren klimafreundlichen Ansatz?

Ole Sander: Grundsätzlich sind alle, die bei uns aufnehmen, begeistert von unserem nachhaltigen Angebot – schließlich profitieren sie ja auch davon, weil sie durch das Zertifikat selbst etwas zum Klimaschutz beitragen.

Ist Ihr Angebot schon komplett oder planen Sie weitere Maßnahmen zur Nachhaltigkeit?

Ole Sander: Natürlich arbeiten wir immer weiter an unserer CO2-Reduktion, sodass wir vielleicht irgendwann als Ausgleich gar keine Bäume mehr pflanzen müssen. Wir hoffen, dass wir als Pioniere auch andere Studios für diese wunderbare Idee begeistern können.

Das hoffen wir auch. Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Mehr Infos zur Nachhaltigkeit von Studiowerk finden Sie im Web.