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Vier Fragen an Matthias Friedrich, Geschäftsführer von deecoob

Seit Mai 2020 ist der Dresdner Webcrawling-Dienstleister deecoob Teil der GEMA Familie. Mit seiner Suchmaschine MESLIS durchsucht das 40-köpfige Unternehmen das Internet nach Veranstaltungen, bei denen Musik genutzt wird. Es verhilft so Urheberinnen und Urhebern zu mehr Erträgen und der GEMA zu einer größeren Marktdurchdringung. Obwohl Geschäftsführer Matthias Friedrich alle Hände voll zu tun hat, stand er uns für ein kurzes Interview zur Verfügung.


Herr Friedrich, Ihr Unternehmen hat den Webcrawler MESLIS entwickelt. Was genau macht der eigentlich?

Grundsätzlich ist der Webcrawler MESLIS eine Software, die automatisiert Webseiten oder soziale Netzwerke nach öffentlich zugänglichen Informationen wie Veranstaltungsnamen, Datum, Eintrittspreise sowie Orts- und Veranstalterdaten durchsucht. Diese Daten extrahiert MESLIS und speichert sie in einer Datenbank, von wo aus sie dann von Verwertungsgesellschaften wie der GEMA für die Lizenzierung weiterverarbeitet werden können. Die besten Suchergebnisse erhalten wir auf Webseiten, die strukturiert aufgebaut sind, wie zum Beispiel von Eventkalendern, Ticketseiten oder in Sozialen Netzwerken. Schwerer wird es bei individuell gestalteten Auftritten.
 

„MESLIS lernt, Webseiten zu lesen wie ein Mensch.“

Matthias Friedrich, Geschäftsführer deecoob
 

Unser Ziel ist es, dass MESLIS diese Webseiten wie ein Mensch lesen kann, doch das hat natürlich seine Grenzen. Wir Menschen erfassen Informationen immer in einem bestimmten Kontext. Die Software kann das grundsätzlich auch, muss dies aber trainieren. Dafür setzen wir innovative Algorithmen und Methoden für die Inhalts-Extraktion, Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz ein. Wir haben MESLIS Anfang 2015 zunächst für den Eigenbedarf und unsere Arbeit für die GEMA entwickelt, doch diese Version ist mir der heutigen nicht mehr vergleichbar. Über die Jahre wurde die Software ständig weiterentwickelt, jeden Tag ist unser Team dabei, MESLIS immer besser zu machen.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung von MESLIS?

Uns auf das Wesentliche zu fokussieren. Denn wir hatten anfangs ganz viele Ideen, wollten quasi mit MESLIS die Welt verändern. Um uns aber nicht zu verrennen, gingen wir in kleinen Schritten vorwärts. Deshalb haben wir uns beispielsweise zunächst auf wenige Quellen konzentriert und erst mit der Zeit weitere hinzugenommen. Das hat sich bewährt: Bis heute gibt es weltweit keinen nennenswerten Wettbewerber, dessen Lösung derart hoch spezialisiert ist wie unsere. Vor allem die Fähigkeit, die gefundenen Daten mit denen des Kunden automatisch abzugleichen ist einzigartig. Schließlich wollen wir unseren Kunden einen Mehrwert bieten, indem wir Ihnen große Mengen von Event-, Orts- und Veranstalterdaten liefern, die sie bisher noch nicht kennen.

Neben der GEMA stehen inzwischen auch andere Verwertungsgesellschaften auf Ihrer Kundenliste, zum Beispiel Buma/Stemra aus den Niederlanden, STIM aus Schweden oder IMRO aus Irland. Sind weitere Maßnahmen geplant, um Neukunden zu gewinnen?

Die Veranstaltungsbranche hat derzeit sehr unter der Corona-Pandemie zu leiden. Wenn potenzielle Neukunden gerade mit der Gegenwart zu kämpfen haben, ist es schwierig, mit einer zukunftsgewandten, innovativen Lösung wie MESLIS um die Ecke zu kommen. Dennoch ist das Interesse von vielen Seiten sehr groß.

„Wir wollen jährlich vier bis sechs neue Gesellschaften akquirieren.“

Matthias Friedrich, Geschäftsführer deecoob

Die Akquise läuft fast ausschließlich über persönliche Kontakte. Neben der direkten Ansprache der Kunden besuchen wir auch Fachveranstaltungen wie zum Beispiel früher die MIDEM in Cannes und arbeiten mit dem Weltverband CISAC in Frankreich zusammen, wo wir in Arbeitsgruppen auf viele Vertreterinnen und Vertreter von Verwertungsgesellschaften weltweit treffen. Ich bin mit vielen Gesellschaften im Gespräch über MESLIS, angefangen von denen aus Europa über Nordamerika bis hin zu Australien. Grundsätzlich ist unser Plan, pro Jahr vier bis sechs neue Verwertungsgesellschaften an MESLIS anzubinden. Dabei müssen wir natürlich unsere vorhandenen Ressourcen im Auge behalten, schließlich wollen wir die Kunden beim Onboarding von Anfang an gut betreuen und intensiv begleiten. Wir brauchen deshalb dringend personelle Verstärkung, um auch in Zukunft weiter wachsen zu können – vor allem in den IT-Bereichen Cloud Entwicklung, Data Engineering, Data Science aber auch klassischer Software- und Web-Entwicklung. Fachkräfte im IT-Bereich sind allerdings sehr gefragt und werden stark umworben. Wir setzen daher sehr auf Mitarbeiterbindung und bieten vielversprechende Perspektiven für die persönliche und fachliche Weiterentwicklung unseres Teams. Ganz zu schweigen von einem tollen Arbeitsplatz mitten in der Dresdner Innenstadt oder auch in hybrider Kombination mit mobilem Arbeiten.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Auf welcher Musikveranstaltung würde man Sie am ehesten treffen?

Ich sehne den Moment herbei, wenn wir alle wieder wie gewohnt auf Konzerte gehen können. Musik ist für mich persönlich sehr, sehr wichtig. Am liebsten höre ich Herbert Grönemeyer, Sting, Element of Crime oder Keimzeit, eine Band hier aus der Region, die ich mittlerweile seit über 30 Jahren kenne. Und auch klassische Konzerte mag ich sehr. Meistens in der Philharmonie in Dresden oder in Berlin. Ich muss aber gestehen, dass ich inzwischen auch ein sehr großer Fan von Podcasts bin. Insbesondere bei langen Dauerläufen höre ich am liebsten „Alles gesagt“ von Zeit Online.

Dann müssen Sie ja ziemlich fit sein, denn manche Folgen dauern da länger als acht Stunden!

Tja, manchmal braucht es einen langen Atem. Wie bei der Entwicklung und dem Vertrieb innovativer Cloud-Software.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Friedrich.