Das Urheberrecht in der Musik

Was ist das Urheberrecht?

Eine eingängige Melodie. Ein überraschender Hit. Musik kann Menschen in ihren Bann ziehen und begeistern. Plötzlich läuft ein Lied im Radio rauf und runter, taucht im Fernsehen auf und wird im Bierzelt gespielt. Doch irgendwer hat den Song komponiert. Jemand hat sich den Text ausgedacht. Das sind die Urheber. Geschützt werden sie durch das Urheberrecht in der Musik. Es sorgt dafür, dass Musikschaffende von ihrer kreativen Arbeit leben können. Und dass sie bestimmen, was mit ihren Werken geschieht – und was nicht.

Das Musik-Urheberrecht: 
Geschichte seiner Entstehung

Alles begann in einem Pariser Café. Natürlich mit Musik. 

Musik kurbelt den Umsatz an

Paris 1847: In einem Café vergnügt sich der Chanson-Komponist Ernest Bourget beim damaligen Modegetränk Zuckerwasser. Die Musik heizt Stimmung und Durst der Gäste an, der Wirt macht ein gutes Geschäft.

Der Komponist bekommt nichts – nur die Rechnung

Plötzlich stutzt Bourget: Das Lied kennt er doch. Kein Wunder, er hat es selbst geschrieben. Und jetzt spielt man das hier einfach – ohne ihn zu fragen! Bourget ärgert sich. Als man ihm die Rechnung bringt, weigert er sich zu zahlen. Seine Begründung: Das Café profitiert von ihm. Und wenn er dafür nichts bekommt, bekommt das Café nichts von ihm.

Der Streit geht vor Gericht

Der Wirt ist nicht einverstanden. Der Streit landet als „Zuckerwasserprozess“ vor Gericht. Es entscheidet – zugunsten des Urhebers.

Das Urteil lautet:

  • Der Wirt darf nur mit Erlaubnis des Komponisten das Lied aufführen
  • Der Wirt muss ihn dafür bezahlen

Komponisten, Textdichter und Verleger kämpfen für ihre Rechte

Das Gericht legt den Grundstein für die erste Verwertungsgesellschaft der Welt: die französische SACEM. Darin schließen sich Komponisten, Textdichter und Verleger zusammen, um gemeinsam für die Einhaltung der neu erkämpften Rechte zu sorgen. Im Ausland wird diese Entwicklung mit Sympathie verfolgt.

Urheberrecht in Deutschland

1901: Das französische Beispiel macht in Deutschland Schule. Das „Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der Literatur und der Tonkunst“ entsteht. Die drei Komponisten Richard Strauss, Hans Sommer und Friedrich Rösch sind besonders engagiert. Ihnen ist klar: Nur mit vereinten Kräften können sie ihre Rechte als Künstler durchsetzen. Sie gründen 1903 die Anstalt für musikalische Aufführungsrecht, kurz: AFMA.

Von der Arbeit leben

Als Vorläufer der GEMA schafft die AFMA in Deutschland die Basis dafür, dass Komponisten und Textdichter von ihrer Arbeit leben können. Heute haben wir diese Aufgabe für unsere Mitglieder übernommen.

Kurz erklärt: Komponist/in, Textdichter/in, Musikverleger/in und Interpret/in

Komponist/in

Der Komponist ist ein Schöpfer eines Musikwerks, z. B. eines Lieds oder einer Symphonie. Oder anders gesagt: Er oder sie erfindet Musikstücke und schreibt ggf. die Noten auf. Das Wort „komponieren“ kommt vom lateinischen Wort für „zusammensetzen“. Deshalb wurden Komponisten früher auch als „Tonsetzer“ bezeichnet. Komponisten zählen zu den Urhebern eines Musikwerks.

Textdichter/in

Textdichter und Textdichterinnen schreiben die Texte zu Musikwerken, wie z. B. Liedern (Liedtexter) oder Opern (Librettisten). Sie sind also für die Worte zuständig, nicht für die Komposition. Natürlich kann eine Komponistin auch Textdichterin sein, muss aber nicht. Auch Textdichter sind Urheber eines musikalischen Werks.

Interpret/in

Interpreten (ausübende Künstler) sind die Musiker, die auf der Bühne stehen und die Musik darbieten. Interpreten sind nicht zwangsläufig die Urheber dieser Musik. Man kann also z. B. Gitarristin oder Sänger sein, ohne sich die Musik oder den Text ausgedacht zu haben. Natürlich gibt es auch ausübende Künstler, die ihre Lieder selbst komponieren und auch die Texte dazu schreiben. Dann, aber nur dann, sind sie auch Urheber.

Musikverleger/in

Musikverleger oder Musikverlegerinnen verlegen oder vervielfältigen Musikwerke, um sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Es gibt traditionelle Musikverleger, die sich vor allem um „Ernste Musik“ kümmern und u. a. mit dem Druck und Vertrieb von Noten Geld verdienen. Die „U-Musik“-Verlage hingegen kümmern sich um sog. Unterhaltungsmusik. Deren Kerngeschäft liegt in der Promotion und Administration der Musikwerke. Sie vermitteln die Werke der Urheber an Interpreten und Plattenfirmen.

Urheberrecht Definition:

„Das Urheberrecht schützt den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in der Nutzung des Werkes. Es dient zugleich der Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Nutzung des Werkes.“

Auszug aus dem Urheberrechtsgesetz

Klingt ganz schön kompliziert, diese Definition des Urheberrechts. Schauen wir uns das mal genauer an.

Was Urheberrecht bedeutet

Werke sind automatisch geschützt

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet: Ein musikalisches Werk ist automatisch geschützt, sobald es wahrnehmbar gemacht wird. Der Komponist oder die Textdichterin müssen es nicht schützen lassen. Es reicht z. B. wenn der Urheber sich ein Werk ausdenkt und es auf dem Klavier einmal spielt. Ein schützenswertes Musikwerk entsteht auch schon dann, wenn es der Urheber z. B. in Noten aufschreibt.

Das Nutzungsrecht im Urheberrecht

Aber was sind geistige, persönliche und vermögensrechtliche Beziehungen zu einem Werk? Und was hat es mit den Verwertungsrechten auf sich? Klar, der Komponist und die Textdichterin haben das Recht, ihr Werk wirtschaftlich zu verwerten, sprich: Geld damit zu verdienen. Sie können es z. B. anderen zur Nutzung überlassen wie etwa Plattenfirmen, Veranstaltern oder Online-Diensten. Dafür erhalten Sie ggf. über die GEMA eine Vergütung.

Es geht nicht nur um Geld

Zugleich haben die Urheber das Recht auf Namensnennung. Ohne ihre Zustimmung darf zudem ihr Werk nicht verändert werden. Andere dürfen ihr Werk nicht entstellen. Mit anderen Worten: Im Urheberrecht geht es natürlich auch um finanzielle Dinge, aber eben nicht nur.

Urheber in der Pandemie

Was Musik wert sein kann

Eine gebeutelte Branche

Es ist kein Geheimnis: Die Corona-Pandemie trifft die Musikbranche besonders hart. Musikerinnen und Musiker, die seit Monaten nicht auftreten können. Tontechniker, Beleuchter und viele andere vor oder hinter der Bühne, die beschäftigungslos sind. Komponistinnen, Textdichter und Musikverlage, denen die Einnahmen wegbrechen.

Kein öffentliches Leben, keine Einnahmen

Wenn Diskotheken, Clubs, Restaurants, Kneipen und Bars, aber auch ein Großteil der Geschäfte über Monate geschlossen sind, dann versiegt auch für Urheberinnen und Urheber eine wichtige Einnahmequelle: die GEMA Tantiemen aus diesen Bereichen. Noch schlimmer trifft es sie, dass keine öffentlichen Veranstaltungen möglich sind, keine Konzerte und Festivals, keine Umzüge und Straßenfeste, nichts mehr. Mit diesen Einnahmen bestreiten Komponisten oder Textdichterinnen normalerweise einen wichtigen Teil ihres Lebensunterhalts.

Ein viraler Hit entsteht

Trotz ihrer misslichen Lage beweisen Künstlerinnen und Künstler auch in der Krise ihre Kreativität und können den Menschen Kraft und Zuversicht geben. Ein Beispiel ist der Komponist John Groves, der im ersten Lockdown mit anderen Künstlern und Musikern einen alten Song der Village People umgetextet und in einen viralen Hit verwandelt hat.

Eine wichtige Botschaft verpackt in guter Laune

Aus „Go West“ wurde „Stay Home“. Der Song zeigt, wie man mit einer bekannten Melodie Menschen auf der ganzen Welt erreicht und was gute Musik wert sein kann: „Wir wollten einen Song machen, der schnell wirkt, der im Kopf bleibt und mit dem man das Hauptanliegen, nämlich zu Hause bleiben, nicht wieder vergisst“, erklärte John Groves in einem Interview mit dem Stern. „Und der in der ganzen Welt schon mitgesummt wurde. Versuchen Sie es mal, es funktioniert mit diesem alten Song sofort. Und er macht gute Laune. Die brauchen wir doch alle in dieser bedrohlichen Lage.“

Das Musik-Urheberrecht umfasst:

Urheberpersönlichkeitsrechte

Es besteht eine persönliche Beziehung zwischen Musikwerk und Urheber. Darunter fällt u. a. das Recht auf Namensnennung und der Schutz vor Entstellung.

Nutzungsrechte

Oft überlassen Schöpfer anderen ihr Werk zur Verwertung. So können Plattenfirmen, Veranstalter und Verlage bestimmte Nutzungsrechte erwerben.

Urheberrecht: Musik anmelden

Sie möchten Musik anmelden? Weil Sie eine Veranstaltung planen (z. B. Konzert, öffentliche Party, Umzug, Sportveranstaltungen oder Markt mit Musik)? Weil Sie Hintergrundmusik für Ihr Geschäft oder Ihren gastronomischen Betrieb wünschen? Oder weil Sie Musik im Internet nutzen? Dann sind Sie hier goldrichtig. Und vielen Dank: Mit Ihrer Anmeldung sorgen Sie dafür, dass Musikschaffende von ihrer Arbeit leben können.

GEMA und Urheberrecht

Rechteinhaber können sich durch sog. Verwertungsgesellschaften vertreten lassen. Urheber (nicht die Interpreten!) z. B. durch uns, die GEMA. Wir machen uns für ihre Rechte stark und überprüfen, wann ihre Werke öffentlich aufgeführt, im Radio, Fernsehen oder Internet wiedergegeben oder auf Tonträgernvervielfältigt werden. Außerdem handeln wir Verträge mit Nutzern wie z. B. Rundfunkanstalten oder kommerziellen Streaminganbietern im Internet aus.

FAQ – Häufige Fragen zum Urheberrecht

Sie müssen gar nichts tun. Ihr Song ist durch das deutsche Urheberrecht automatisch geschützt. Es gilt für die Komposition und Liedtexte – und zwar bereits mit der Schöpfung.

Indem Sie z. B. einen Brief an die eigene Adresse mit dem Tonträger oder den Notenblättern Ihres Werks versenden. Durch den Poststempel kann jeder nachprüfen, wann das Werk verschickt wurde. Wichtig: Öffnen Sie den Brief auf keinen Fall, weil sonst nicht klar ist, wie lange der Tonträger oder die Notenblätter bereits im Umschlag liegen.

Auch Zeugenaussagen, beispielsweise bei einer privaten Vorführung, können helfen, die Urheberschaft zu beweisen. Bestenfalls sind die Zeugen keine Freunde oder Verwandte. Zeugen müssen genau angeben können, wann Sie das Musikstück zum ersten Mal gehört haben.

Selbstverständlich können Sie Ihr Werk auch bei einem Rechtsanwalt oder einem Notar verwahren. Allerdings sind damit Kosten verbunden.

70 Jahre nach dem Tod des Urhebers wird die Musik lizenzfrei oder gemeinfrei (wie man auch sagt). Solange liegen die Urheberrechte bei den Erben. Aber auch wenn das Musikwerk gemeinfrei ist, können unter Umständen noch Rechte bestehen, wie z. B. die eines Bearbeiters oder Rechte von ausübenden Künstlern oder Unternehmen an einer konkreten Aufnahme.

Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass Musik urheberrechtlich geschützt ist. Nur völlig banale Musik kann unter Umständen nicht geschützt sein. Werke werden mit Ablauf der Schutzfristen frei.

Ja, auch in dem Fall dürfen Sie die Musik unter Umständen nicht einfach verwenden. Im Hinblick auf Aufführungen oder andere Wiedergabe ist maßgeblich, ob eine Öffentlichkeit vorliegt.

Ja, für einen Coversong müssen die notwendigen Rechte erworben werden. Meistens erfolgt das über uns, die GEMA. Ein Cover ist eine neue Einspielung eines Musikstücks, möglicherweise auch mit anderen Instrumenten. Wenn Text oder Komposition aber bearbeitet werden, kann es sein, dass noch  weitere Rechte eingeholt werden müssen, z. B. direkt beim Urheber oder dessen Musikverlag.