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„Viel zu selten wird die Musikauswahl im Radioprogramm gewürdigt. Umso schöner, dass das jetzt anerkannt wird.“

Der Radiokulturpreis der GEMA geht in diesem Jahr an SR 2 KulturRadio in der Kategorie „Ernste Musik, Jazz sowie sonstige gehobene Vokal- und Instrumentalmusik“ sowie die Jugendwelle PULS im Bereich Unterhaltungsmusik. Wir haben mit Thomas Müller (Programmchef PULS) und Bettina Taheri-Zacher (Musikchefin SR 2 KulturRadio) über den Preis selbst und die Herausforderungen von Radio machen im digitalen Zeitalter gesprochen.


Herzlichen Glückwunsch, Frau Taheri-Zacher, herzlichen Glückwunsch, Herr Müller: Sie haben mit Ihren Sendern den Radiokulturpreis gewonnen.

Bettina Taheri-Zacher:  Danke. Das Tolle an diesem Preis ist, dass die Musikauswahl in unserem Programm gewürdigt wird. Ein wichtiger Inhalt, der schließlich den Großteil – nicht nur einer Sendestunde – des Gesamtprogramms darstellt.

Thomas Müller: Uns bei PULS macht ja aus, links und rechts vom Mainstream zu grasen – dass das in der Außenwahrnehmung nicht nur bei den Hörern, sondern auch im Rahmen dieses Preises ankommt, ist wunderbar.

Was ist Ihnen wichtig beim Radio machen?

Thomas Müller: Es geht immer um eine Kommunikation. Es geht um eine Leidenschaft, Menschen für die Sachen zu begeistern, die wir aus einer professionellen Sicht heraus aussuchen und entdecken und entsprechend in einem redaktionellen Umfeld weitergeben.

Bettina Taheri-Zacher: Da stimme ich zu. Gute Themen zu finden, gepaart mit guter Musik: Das ist unsere Passion, unser Motor bei SR 2 KulturRadio. Eine Herausforderung, der wir uns täglich stellen.

Wo liegen aus Ihrer Sicht heute – im digitalen Zeitalter – die Herausforderungen?

Bettina Taheri-Zacher: Bei unseren vielfältigen Angeboten auf verschiedenen Ebenen – dazu zählen auch unsere Mitschnitte und Produktionen – sind wir immer daran interessiert, Online-Rechte zu erwerben. Das führt kontinuierlich zu Diskussionen. Daher danke ich Ihnen, Herr Müller, dass Sie dieses Thema in Ihrer Ansprache bei der Verleihung betont haben. Programmgestalter stehen heute im digitalen Zeitalter vor vielen neuen Herausforderungen, die berücksichtigt werden müssen, damit unsere Inhalte über die vielen verschiedenen Verbreitungswege auch ankommen. Das ist nicht immer ganz einfach, wenn sich beispielsweise bei Produktionen Dritte einschalten und Rechte einschränken wollen oder redaktionelles Mitspracherecht einfordern. Da müssen wir ein auf die verschiedenen Bedürfnisse ausgerichtetes Miteinander zwischen Künstlern, Labels, Veranstaltern, Hörfunk, Fernsehen, Social Media und Online fördern. Schließlich wollen wir alle am Ende den Bedürfnissen unserer Zielgruppen gerecht werden.

Thomas Müller: Die große Herausforderung ist tatsächlich, den Nutzungsgewohnheiten unserer Hörer dahingehend Rechnung zu tragen – also auch Inhalte Online vorzuhalten. Wir als öffentlich-rechtliche Sender haben ja kein Interesse daran, eine Monetarisierung der Inhalte vorzunehmen, gleichzeitig sind Labels aber stark daran interessiert. Das wiederum macht es für uns schwierig, redaktionelle Inhalte guten Gewissens zu produzieren, wenn wir sie nicht an unsere Nutzer, die immer mehr Online und On-Demand konsumieren, heranbekommen.

Das Interview führte Lars Christiansen

Radiokulturpreis

Das Radio ist weltweit das Massenmedium mit der größten Hörerschaft. Es trägt erheblich dazu bei, Menschen mit Kultur im Allgemeinen und Musik im Speziellen in Verbindung zu bringen. Ohne das Radio wären viele Menschen von kultureller Teilhabe weitestgehend abgeschnitten. Der Bedeutung des Radios für die kulturelle Vielfalt in Deutschland möchte die GEMA mit dem Radiokulturpreis Rechnung tragen. Mit dem Radiokulturpreis zeichnet die GEMA seit 2015 Hörfunkwellen aus, die sich in besonderer Weise der Förderung der Musikkultur verschrieben haben und maßgeblich dazu beitragen, eine lebendige Musikkultur in Deutschland zu ermöglichen.

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