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One-Hit-Wonder oder Longplayer – wie nachhaltig ist die Rückkehr der Platte?

Wer hätte das gedacht? Die gute, alte Schallplatte ist zurück. Doch was steckt hinter dem überraschenden Revival von Vinyl? GEMA Mitarbeiter Tobias Happel hat den aktuellen Trend etwas genauer analysiert. Wir haben ihn für ein kurzes Interview getroffen.


Tobias, woher kommt die plötzliche Liebe zur Schallplatte in Zeiten von Digitalisierung und Streaming?

Offenbar entdeckt im Moment eine neue Generation von Musikhörerenden Vinyl für sich. Die Musikindustrie reagiert darauf und kurbelt die Nachfrage mit Sondereditionen, Sets und modernen Abspielgeräten zusätzlich an. Immer mehr Menschen schätzen den besonderen Hörgenuss. Vinyl ist offenbar das Format, das der eigenen Lieblingsmusik am ehesten gerecht wird – und das generationsübergreifend bei Alt und Jung.

Und wie macht sich das Vinyl-Comeback bei den GEMA Zahlen bemerkbar?

Durch die wachsenden Umsätze bei Schallplattenverkäufen steigerten sich seit 2020 auch die GEMA Verteilungssummen für Vinyl – und zwar im Schnitt um 21 Prozent pro Jahr. 2020 lag die Verteilungssumme eine Million Euro über der des Vorjahres. 2021 wird sich dieses erfreuliche Ergebnis wahrscheinlich erneut verbessern. Erwartet wird dann eine Verteilungssumme von knapp über sechs Millionen Euro.

Hat diese Entwicklung auch negative Auswirkungen?

Ja, es gibt auch Schattenseiten: Um der kontinuierlich steigenden Nachfrage Herr zu werden, laufen die Presswerke weltweit bereits in mehreren Schichten oder rund um die Uhr. Und dennoch existieren mehrmonatige Wartezeiten. Der Markt kommt hier an seine Grenzen – die Infrastruktur ist begrenzt und auch die Ressourcen sind knapp. Es ist daher kaum verwunderlich, dass mit der Nachfrage auch die Preise für Vinyl weiter steigen werden.