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Was macht eigentlich... eine Kinderlied-Texterin?

Wir haben mit Suli Puschban, Gewinnerin des Deutschen Musikautorenpreises, über ihren Werdegang als Kinderlied-Texterin gesprochen und dabei viel über ihre Leidenschaft und Inspirationsquellen erfahren.


Liebe Suli, was macht eigentlich eine Kinderlied-Texterin?

Ich schreibe und komponiere Lieder für Kinder, das heißt ich schreibe meistens über Kinder, die ich persönlich kenne, Themen, die sie beschäftigen, Sätze, die fallen, wenn ich mit ihnen rede, singe, spiele. Ich lasse das alles durch meine persönlichen Filter laufen und im besten Falle kommt hinten ein Song raus, der Kindern gefällt.

Wie bist Du dazu gekommen?

Nachdem ich 1994 nach Berlin übersiedelt war, habe ich angefangen an einer Grundschule als Erzieherin zu arbeiten. Da ich zu der Zeit bereits lange Musik gemacht habe, bat mich ein Lehrer irgendwann in seiner Klasse mit den Kindern zu singen. Also hab ich mir einiges draufgeschafft, aber dann nach und nach, inspiriert durch die Arbeit mit den Kids, angefangen über und für sie zu schreiben. Jeden Song teste ich dann mit den Kindern, was gefällt, bleibt, was nicht verliert sich im Äther.

Warum schreibst Du gerade für Kinder? Was fasziniert Dich daran?

Kinder sind präsent, im Hier und Jetzt, intelligent, haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, einen sensationellen Sinn für Humor und haben es verdient, dass wir sie ernst nehmen. Von mir gibt es kein Lied, das nicht mir selbst gut gefällt und meinen Ansprüchen an Sprache und Intellekt genügt. Das kann ein politischer Song sein wie »Ich hab die Schnauze voll von rosa« oder einfach nur ein Spaß wie »Ein Hase in einem Cabrio«. Clever und lustig zu sein kann echt schwierig sein. Kinder sind ein großartiges Publikum, sie fordern und fördern mich und umgekehrt. Es gibt nichts Schöneres als Kids, die sich über meine Lieder totlachen oder begeistert mitsingen. Nach Konzerten sagen sie Sachen wie: »Hast Du wirklich Lilifee getroffen?«, »Du hast gut gesungen!«, »Das war echt witzig!« oder auch »Geile Songs!« Und ich weiß dann, sie meinen das auch so.

Deine Lieder haben alle eine Botschaft; Du setzt Dich mit Deiner Musik ganz klar für (die Rechte von) Kinder/n ein. Siehst Du es als Deine Pflicht, mit Deiner Musik etwas zu bewegen?

Nein, es ist nicht meine Pflicht. Ich kann nicht anders. Ich bin Feministin, ich bin eine androgyne, kurzhaarige Frau, die außerhalb der gewohnten Rollenklischees steht, das Private ist politisch, ich kann das beim Liederschreiben nicht an die Seite stellen. Ich glaube nicht, dass Lieder etwas ändern, aber die Kinder, die mitsingen, mitmachen und mitdenken wollen, kriegen von mir ein bisschen Wind unter die Flügel gepustet. Nachdenken und Dinge zu hinterfragen, nicht nur in der Suppe zu schwimmen, sondern über den Tellerrand zu blicken, kann sehr anstrengend sein. Es ist gut Verbündete zu finden, singen ist dafür super geeignet. Es macht noch dazu glücklich!

 Schreibst oder singst Du lieber?

Ich liebe beides. Ich trete sehr gerne auf, die Überraschung in den Kinderaugen, wenn der Refrain von »Schnauze voll von rosa« losgeht, ist einfach sensationell. Aber ich liebe es ebenso am Tisch zu sitzen mit meiner Gitarre und so lange an einem Text zu feilen bis er für mich passt. Insofern sind schreiben und singen für mich eine Einheit, die ohne einander nicht existieren können.