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Festivals setzen auf mehr Nachhaltigkeit

So ziemlich jeder Festival-Veranstalter hat inzwischen das Thema „Nachhaltigkeit“ im Fokus. Sei es aus Überzeugung oder um gesetzliche Auflagen einzuhalten. Ökostrom, recycelbares Geschirr, umweltfreundliche Toiletten und die Bitte an die Besucher, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, sind heute Mindeststandard. Aber da geht noch mehr!


Hunderttausende Fans sind in diesem Sommer wieder zu den Musikfestivals im Land unterwegs. Neben der Garantie für gute Musik, tolle Erlebnisse unter freiem Himmel, Good Vibrations, abchillen und Spaß für die Community übernehmen auch immer mehr Veranstalter Verantwortung für eine bessere Welt.

Der Klimawandel steht dabei ganz oben auf der Prioritätenliste und damit die Minimierung von Tonnen CO2, die rund um die Musikevents freigesetzt werden. Aber nur, wer genau weiß, wieviel Treibhausgas an welcher Stelle entsteht, kann gezielt gegensteuern. So wie Patrick Jung, Leiter des Modular Festivals in Augsburg: „Wir haben auf den Grundlagen der englischen Umweltagentur Julie’s Bicycle und von Greenpeace einen CO2-Rechner für Großveranstaltungen entwickelt.“

Der Festivalleiter weiß daher bis ins Detail, an welchen Stellschrauben er drehen kann, um die Klimabilanz des Events zu verbessern. Eine der wichtigsten ist die An- und Abreise der Besucher und Künstler. „Durch Mobilität entstanden in diesem Jahr 139 Tonnen CO2. 18 Prozent unserer Fans kommen mit dem PKW und setzen dadurch 62,82 Tonnen CO2 frei.“ Die will der Festivalleiter dazu bewegen, mit einem Freifahrschein auf den städtischen ÖPNV umzusteigen oder das Rad zu nehmen.

Ein klimaneutrales Festival könnte Patrick Jung schon heute haben, wenn er Klimazertifikate kaufen und damit die CO2-Mengen kompensieren würde. Der Königsweg ist aber vermeiden vor reduzieren vor kompensieren. Und so setzen die Veranstalter des Modular Festivals lieberauf kontinuierliche Verbesserungen in Sachen Klimaschutz. Die Bühnenbauer und die Gastronomie wurden schon entsprechend unter die Lupe genommen. „Im nächsten Jahr wählen wir für unser Programm gezielt Künstlerinnen und Künstler aus, die auf Greentouring setzen“, so der nächste Schritt von Festivalleiter Patrick Jung.

Zertifizierung schafft Transparenz

Klimaschutz ist aber nur ein Aspekt von Nachhaltigkeit. Viele Festivals wie zum Beispiel das Lollapalooza Berlin haben nicht nur Musik im Programm, sondern bieten auch verschiedensten Initiativen eine Plattform, um ihre Lösungsansätze für eine gerechtere Gesellschaft zu präsentieren. Unter dem diesjährigen Motto „Today’s Impact, Tomorrow’s Future“ stehen Themen wie Gleichberechtigung, Menschenrechte, Rassismus, Inklusion, soziales Miteinander, Politik, aber auch fairer Handel und gesunde Ernährung im Mittelpunkt. „Wir haben als Festival eine Vorbildfunktion. Deshalb gehen wir nicht nur selber mit gutem Beispiel voran, sondern möchten auch andere aufklären, was alles möglich ist. Natürlich spielerisch und ganz ohne erhobenen Zeigefinger“, betont Jana Posth, Projektleiterin des Lollapalooza Berlin.

Das Lollapalooza Berlin ist seit Jahren Teil der Initiative „Green Nation“. 11 der 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (UN) werden dabei als Kriterien für die Bewertung der Nachhaltigkeit von Musikfestivals herangezogen. Verpflichtend für die Green-Nation-Mitglieder ist auch, die Treibhausgase ihrer Veranstaltungen bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren.

Die FRHUG Festival GmbH & Co. KG geht jetzt aber noch einen Schritt weiter und lässt als erster Veranstalter in Deutschland das Lollapalooza Berlin nach DIN ISO 20212 zertifizieren. Die Norm wurde speziell für die Eventmanagementbranche entwickelt. Die Auditoren bewerten dabei die Erfüllung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte nach internationalen Standards. „Dadurch wird die Nachhaltigkeit des Lollapalooza Berlin Festivals transparent und unabhängig überprüft. So hat Greenwashing keine Chance“, erklärt Jana Posth die Motivation für diese Entscheidung.